Panzer, Munition und Gewehre
Europa rüstet auf – deutsche Waffenbauer profitieren
Aktualisiert am 01.07.2025 – 09:56 UhrLesedauer: 4 Min.
Rheinmetall, Heckler & Koch oder Helsing: Deutsche Konzerne profitieren massiv vom Rüstungsboom in Folge des Ukraine-Kriegs. So geht es für die Branche weiter.
Rheinmetall hat im nordrhein-westfälischen Weeze eine rund 100 Millionen Euro teure Fabrik gebaut, um dort wichtige Bauteile für den Tarnkappenbomber F35 zu fertigen. Konzernboss Armin Papperger und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) feiern den Bauabschluss am Dienstag vor Ort. Das Beispiel zeigt: Angesichts steigender staatlicher Ausgaben für ihr Militär boomt Deutschlands Rüstungsbranche, große Firmen investieren stark in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten – ein Überblick.
Einzig das schwächelnde Geschäft als Autozulieferer trübt die Stimmung. Ein Teil der Kfz-Belegschaft soll künftig in den Rüstungsbereich wechseln. Seinen größten Standort im niedersächsischen Unterlüß erweitert Rheinmetall für rund 300 Millionen Euro um eine neue Munitionsfabrik. Das Rumpfmittelteil für die F35 wird in Weeze (NRW) gefertigt. Der Konzern gehört zu den wichtigsten Waffenlieferanten der Ukraine, bezahlt wird dies teilweise von der Bundesregierung.
Der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig die elektronische Kampfführung ist. Dieser Trend kommt Hensoldt aus Taufkirchen bei München zugute, einem Anbieter von Sensoren und Radarsystemen. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um etwa die Hälfte auf rund 2,2 Milliarden Euro. In diesem Jahr möchte die Firma mit ihren rund 9.000 Beschäftigten mindestens 2,5 Milliarden Euro erlösen und 2030 sechs Milliarden. Radare von Hensoldt kommen im Ukraine-Krieg zum Einsatz, um die Bevölkerung vor russischen Luftangriffen zu schützen, und sie stecken im Kampfjet Eurofighter.
Der Bund hält eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an dem Konzern, der einst zu Airbus gehörte. In den vergangenen drei Jahren investierte Hensoldt eine Milliarde Euro, dies etwa für einen neuen Optronik-Standort in Oberkochen. Die Firma fertigt auch Periskope für gepanzerte Fahrzeuge und U-Boot-Sehrohre.
Die Kieler Tochterfirma des Essener Industriekonzerns Thyssenkrupp ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für nicht-nuklear betriebene U-Boote und bis Anfang der 2040er-Jahre ausgelastet. Im Dezember hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages den Bau von vier weiteren U-Booten der Klasse 212CD für die Deutsche Marine bewilligt.
Damit sind zehn solcher Boote beauftragt – sechs für Deutschland, vier für Norwegen. Kürzlich bekam TKMS zudem einen 800-Millionen-Euro-Auftrag des Bundes zur Modernisierung von sechs U-Booten der Marine.
