Katholikentag in Würzburg

Wie politisch darf“s denn sein?

Aktualisiert am 15.05.2026 – 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Bundeskanzler stellte sich kritischen Fragen von jungen Leuten. (Quelle: Matthias Schrader/AP Pool/dpa/dpa-bilder)

Kriege, gesellschaftliche Spaltung, wirtschaftliche Schieflage: Die Zeiten sind unruhig. Wie soll sich Kirche positionieren: nur beten – oder auch aktiv mitreden?

Die Zeiten sind rau. Das spürt auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf dem Katholikentag in Würzburg. Es gibt eine Demo, es gibt Buhrufe im Saal. Als er aber über die Kirchenmeile am Main spaziert, begegnet man ihm überwiegend freundlich. Ein Mann ruft ihm zu: „Schön, dass Sie da sind!“ Ein Kind grüßt: „Hallo, Herr Merz!“

Die Stimmung in den Straßen von Würzburg ist gelassen und heiter, auch wenn das Wetter durchwachsen ist. Die Menschen tragen fröhlich ihre gelben Katholikentag-Schals, überall hängen die Banner mit dem Motto: Hab Mut, steh auf!

Merz wagte sich in Würzburg auch unters Volk. (Quelle: Sven Hoppe/dpa/dpa-bilder)

Barocker Glanz

Der Katholikentag gastiert im katholischen Stammland, in Unterfranken am Main, wo die Volkskirche und die Verbandsarbeit noch vergleichsweise lebendig sind, wo der barocke Glanz der Kirchen und Klöster besonders schön leuchtet.

Und doch: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) feiert seinen Katholikentag in unruhigen Zeiten. Das gilt für die Kirche selbst. Und das gilt für die komplette Gesellschaft. Katholikentage und evangelische Kirchentage widmen sich stets auch dem Politischen. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wie politisch muss oder darf es denn sein?

Dobrindt: Laut werden beim Lebensschutz

Die Debatte entbrannte im Vorjahr, als die Kirchen die Migrationspolitik der Union kritisch begleiteten. Aus der Politik wurden sofort Stimmen laut, Kirche solle nicht in der Tagespolitik mitmischen.

Nun auf dem Katholikentag sagt Innenminister Alexander Dobrindt (CSU): „Ich würde mir beim Lebensschutz eine viel lautere Stimme der Kirche wünschen“, beim Klimaschutz sei die Kirche eher eine Klimareligion. Grundsätzlich würde er sich bei vielen Fragen eine lautere Kirche wünschen. Kirche habe mit die größte Bindungswirkung in einer Gesellschaft.

Zahlreiche Menschen sind in der Würzburger Innenstadt unterwegs. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-bilder)

Klöckner will nicht, dass Kirche dem Zeitgeist folgt

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) wird deutlicher: Sie findet, Kirchen sollten nicht ständig dem Zeitgeist folgen. „Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit. Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal“, sagte Klöckner der „Augsburger Allgemeinen“.

Kirche müsse stattdessen „sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens“. Mehr Spiritualität, weniger Politik.

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