Neues Kita-Gesetz

Sprache können: Wie Kinder fit werden für die Schule

Aktualisiert am 16.07.2026 – 05:00 UhrLesedauer: 4 Min.

Können Kinder richtig sprechen und verstehen? Das ist ein zentrales Anliegen des neuen Kita-Gesetzes. (Symbolbild) (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)

Bei der Einschulung können bis zu einem Drittel der Jungen und Mädchen dem Unterricht sprachlich nicht richtig folgen. Bundesbildungsministerin Prien will mit ihrem neuen Kita-Gesetz gegensteuern.

Mittagessen bei den „Füchsen“. Die Kinder im Berliner Fröbel-Kindergarten Seeburger Straße löffeln ihre Karottensuppe, erstmal herrscht gemütliche Ruhe. Als der größte Hunger gestillt ist, wird es lebhafter. Ein kleiner Junge füttert seinem Tischnachbarn Brotstückchen, ein Grüppchen fängt an zu quatschen. Dann packt ein Mädchen die Neugier. „Henrik, was machst du?“, fragt sie den Erzieher, der etwas abseits sitzt und die Kinder beobachtet.

Sprachstandserhebung nennt sich das, was Henrik macht – er beobachtet im Kita-Alltag systematisch, wie einzelne Kinder sich verständigen, wie gut sie sprechen, wo es vielleicht noch hapert, wie man helfen könnte. Genau das ist Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) das zentrale Anliegen bei ihrem neuen Gesetz für eine bessere frühe Bildung. Der Entwurf ist seit Mittwoch bekannt. Nach dem „Gute-Kita-Gesetz“ von 2019 und dem „Kita-Qualitätsgesetz“ von 2023 folgt Priens „Kita-Startchancen-und-Qualitäts-Entwicklungsgesetz“.

„Bildungsschere öffnet sich“

Wer dieses Wortungetüm unfallfrei lesen und aussprechen kann, hat das deutsche Bildungswesen wohl erfolgreich durchlaufen. Vielen Jungen und Mädchen fällt das aber schwer. Kurz vor der Einschulung haben nach Daten aus diversen Bundesländern bis zu einem Drittel der Kinder keine ausreichenden Sprachkenntnisse, um im Unterricht gut mitzukommen. Dabei geht es nicht nur um Deutsch in Zuwandererfamilien. Auch muttersprachliche Kinder haben mitunter Schwierigkeiten beim richtigen Formulieren und Verstehen.

Prien verweist auf die extrem unterschiedlichen Startchancen für Kinder in Deutschland, die sich dann oft durch die ganze Schullaufbahn ziehen. „Die Bildungsschere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung, und dann wird sie nur noch unwesentlich geschlossen“, sagt Prien.

Die Antwort sind für sie verbindliche Sprachtests für alle Vierjährigen und gezielte Fördermaßnahmen nach einheitlichen Standards. Mit ihrem neuen Kita-Gesetz verspricht der Bund bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro. Das Geld soll vor allem Zeit für intensivere Betreuung finanzieren.

Unterschiede in den Bundesländern

Mit Hilfe des Bundes haben einige Länder schon viel angestoßen, sie haben Beobachtungsverfahren und Tests mit klingenden Namen wie BaSiK oder BeoKiz, HASE oder BaSis. In vielen Ländern gibt es zusätzliche Hilfen vor der Einschulung, so etwa die sogenannten Vorlaufkurse in Hessen.

„Jedoch zeigt die Länderauswertung, dass aktuell nur in der Hälfte der Länder landesweit einheitliche standardisierte Beobachtungsverfahren eingesetzt werden“, heißt es im nationalen Bildungsbericht. Auch Schuleingangsuntersuchungen seien nicht einheitlich, die Ergebnisse kaum vergleichbar. Kurzum: Die Länder kennen das Problem, sie probieren viel aus, aber nicht immer koordiniert.

„Möglichst früh in der Kita starten“

Waltraud Weegmann vom Deutschen Kitaverband nennt einen anderen Knackpunkt. „Wenn alle Kinder mit hervorragenden Deutschkenntnissen in die Schule kommen sollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie vorher möglichst früh mit der Kita starten“, sagt Weegmann der Deutschen Presse-Agentur. Wenn Schwierigkeiten erst im fünften Lebensjahr entdeckt werden, dann werde die Zeit vor der Einschulung zu knapp.

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