Marianne ist froh, dass sich beim Iran nun endlich etwas zu bewegen scheint. Nebenan, im schweizerischen Genf, sollen Vertreter aus den USA und Teheran am Freitag ein „Memorandum of Understanding“ (Absichtserklärung) unterschreiben. US-Vizepräsident JD Vance soll anreisen. Vielleicht verlängert Trump dafür sogar seinen Europa-Aufenthalt. Das Sicherheitsaufkommen dürfte dann noch einmal hochgefahren werden.

Hans empfindet es als gut, dass bei diesem Gipfel zumindest Länder wie Indien, Südkorea oder Brasilien eingeladen sind. „Allein können die westlichen Staaten doch nur wenig erreichen“, sagt Hans. Er wirkt nachdenklich. Dann, nach einer kurzen Pause: „Meine Vorfahren kommen von dort, wo heute Krieg ist.“ Hans‘ Familie stammt aus Mykolajiw, einer Stadt im Süden der Ukraine, nahe Odessa. Er sagt das ruhig, ohne Pathos. Dann fügt er hinzu, dass man eigentlich auch mit Russland oder China reden müsse. Damit dieser Krieg irgendwann ein Ende findet.

Als Putin noch mit am Tisch saß

Reden mit Putin galt in Évian-les-Bains nicht immer als undenkbar: Im Jahr 2003, als der Gipfel noch G8 hieß, saß er mit am Tisch. Damals, nach den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001, hießen die Staats- und Regierungschefs noch George W. Bush, Jacques Chirac, Tony Blair, Silvio Berlusconi und Gerhard Schröder. Es war eine andere Zeit.

Gruppenbild vom G8-Gipfel in Évian-les-Bains aus dem Jahr 2003: George W. Bush war da schon abgereist. (Quelle: STR New)

Der Irak-Krieg der Vereinigten Staaten und der Briten spielte damals eine große Rolle. Im nahe gelegenen Genf in der Schweiz entluden sich die Proteste von Globalisierungs- und Kriegsgegnern in Gewalt. Die Täter legten Teile der Stadt in Schutt und Asche. Es brannte, und man schwor sich, dass sich solche Bilder nie mehr wiederholen dürften. Die Wut der Schweizer auf den heutigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron ist darum groß. Wieder haben die Franzosen einen Gipfel an ihre Grenze gelegt.

Nun gibt es Streit über die Kosten für das Sicherheitsaufkommen, das von Évian-les-Bains bis nach Genf reicht. Die Kosten betragen hier rund 20 Millionen Schweizer Franken – und weitere sechs Millionen, um Ladenbesitzer zu entschädigen. Es gibt Schweizer Politiker, die fordern finanzielle Entschädigungen von den Franzosen. Tausende Polizisten, Soldaten und Grenzbeamte wurden hier mobilisiert und mussten am Wochenende die Stadt gegen erneute Proteste absichern. Wieder gingen Scheiben zu Bruch und Autos brannten, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie beim Gipfel von 2003.

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