Für Energiekonzerne wie Cheniere Energy in den USA oder Equinor in Norwegen könnte sich die Hormus-Krise deshalb – so makaber es klingt – als besonders profitables Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte herausstellen. Aktien von Cheniere haben seit Kriegsbeginn zeitweise um gut 25 Prozent zugelegt, die von Equinor bis zu 35 Prozent.

Ein fast heimlicher Gewinner: Seekriegsversicherung

Über Gas- und Ölpreise redet jeder. Über Versicherungsprämien für Schiffe dagegen kaum jemand. Dabei ist das derzeit ein erstaunlich lukratives Feld und ein Problem bis hin zu den Verbrauchern.

Ein Problem sind nämlich Kriegsrisikoversicherungen (war risk insurance) – Zusatzversicherungen zu den regulären See-Kaskoversicherungen, also spezielle Transportversicherungen, die Seeschiffe und deren Ausrüstung gegen Gefahren auf See absichern. Die betragen normalerweise circa 0,2 Prozent des Schiffswertes. Aktuell können es zehn Prozent sein. Auch wenn man sagen muss, dass diese Prämien individuell verhandelt werden. Es gibt keine Pauschalen. Dennoch: Reeder geben das an ihre Kunden weiter.

Was es jetzt braucht, sind Schiffe, die Umwege fahren können, Tanker mit alternativen Routen-Zertifizierungen, Reedereien, die umleiten. Knappheit und deren Umgehung – das wird zum Geschäftsmodell.

Seelogistik neu denken

Langfristig bedeutet das: Der gesamte Sicherheits- und Logistiksektor auf See braucht einen Investitionsschub. Alternative Routen, neue Hafeninfrastruktur, bessere Drohnenabwehrsysteme auf Tankschiffen – das sind keine Nischenthemen mehr, sondern dringende Geschäftsfelder.

Der kaum beachtete Gewinner: die Düngemittelindustrie

Was ebenfalls kaum jemand weiß: Der Persische Golf ist ein zentraler Knotenpunkt für die globale Düngerproduktion.

Rund 35 Prozent des weltweiten Harnstoffs, also Stickstoffdüngers, stammen aus den Golfstaaten. Katar hat die weltweit größte Anlage zu seiner Herstellung und musste sie nach iranischen Angriffen stilllegen. Zuvor hatte QatarEnergy bereits die Gasförderung eingestellt. Das verschärft das Dünger-Problem noch einmal, denn die Produktion stickstoffbasierter Dünger ist von Erdgas abhängig.

Hinzu kommt das Preisproblem: Die Preisentwicklung ist atemberaubend von gut 400 US-Dollar pro Tonne auf über 720 angestiegen. Derart wild war der Preisschock zuletzt im Jahr 2022 beim Beginn des Ukraine-Krieges.

China hält Dünger zurück

Erschwerend kommt hinzu, dass der große Exporteur von Düngern, China, gleichzeitig begonnen hat, die Ausfuhr bestimmter Dünger zu beschränken, um seinen heimischen Markt zu schützen. Folglich steigen die Düngerpreise.

Und das alles ausgerechnet vor der Pflanzperiode für Mais und Soja im amerikanischen Mittleren Westen. Wer außerhalb der Golfregion produziert, etwa in Kanada, Russland oder bestimmten europäischen Ländern, sitzt auf einem sehr begehrten Gut.

US-Präsident Trump mit Chinas Präsdent Xi: Peking beginnt, den Ausfuhr von Dünger zu beschränken. (Quelle: Evan Vucci/Pool Reuters/AP/dpa/dpa-bilder)

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