Risiko für Demenz unter 65 Jahren

Wer diese Erkrankung hat, baut geistig womöglich früher ab


15.10.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei einer Frühdemenz treten die ersten Symptome bereits vor dem 65. Lebensjahr auf. (Quelle: ljubaphoto/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Frühe Demenz ist selten. In Gesundheitsdaten aus Frankreich und Schweden zeigte sich jedoch ein deutlicher Zusammenhang mit Epilepsie.

Vor allem ältere Menschen erkranken an Demenz. Nach aktuellen Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben von den 80- bis 84-Jährigen etwa zwölf Prozent mit der Erkrankung, bei den 65- bis 69-Jährigen sind es nur etwas mehr als ein Prozent. Eine sogenannte früh beginnende Demenz, bei der die Krankheit vor dem 65. Geburtstag auftritt, ist dagegen selten: Sie macht knapp fünf Prozent aller Demenzfälle aus. In Deutschland leben schätzungsweise 85.000 Menschen unter 65 Jahren mit einer Demenz.

Warum eine Demenz mitunter schon in jüngeren Jahren entsteht, lässt sich nicht immer eindeutig klären. Verschiedene Einflüsse können dabei eine Rolle spielen. Eine neue Studie legt nun nahe, dass Menschen mit Epilepsie ein erhöhtes Risiko haben, bereits vor dem 65. Geburtstag an Demenz zu erkranken. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Menschen, deren Epilepsie erstmals im mittleren Erwachsenenalter festgestellt wurde.

Daten von einer halben Million Menschen ausgewertet

Für seine Studie wertete ein internationales Forscherteam Gesundheitsdaten aus Frankreich und Schweden aus. Insgesamt umfassten die drei Untersuchungen rund 512.000 Teilnehmer. Dabei gingen die Wissenschaftler zwei unterschiedlichen Fragen nach.

Zunächst wollten sie herausfinden, ob der Anteil der Menschen mit einer früheren Epilepsiediagnose unter den Demenzpatienten größer war als unter Menschen ohne Demenz. Dazu verglichen sie in Frankreich 11.360 Demenzpatienten mit 113.600 Menschen gleichen Alters und Geschlechts ohne Demenz. Anschließend blickten sie anhand der Krankenakten bis zu zehn Jahre zurück: Bei wem hatten Ärzte in dieser Zeit eine Epilepsie festgestellt?

Das Ergebnis: 12,5 Prozent der Demenzpatienten hatten zuvor eine Epilepsiediagnose erhalten. Bei den Menschen ohne Demenz waren es lediglich 1,2 Prozent.

Um zu prüfen, ob dieser Zusammenhang auch in einem anderen Land besteht, wiederholten die Forscher die Untersuchung mit Gesundheitsdaten aus Schweden. Dort verglichen sie 16.433 Menschen mit früh beginnender Demenz mit 164.330 Menschen ohne Demenz. Auch hier stellte sich heraus: Unter den Demenzpatienten war der Anteil der Menschen mit einer früheren Epilepsiediagnose deutlich höher als in der Vergleichsgruppe ohne Demenz.

Wie häufig erkranken Epilepsiepatienten an Demenz?

Doch diese Vergleiche beantworten noch nicht die Frage, wie groß das Demenzrisiko für Menschen mit Epilepsie tatsächlich ist. Deshalb nahmen die Forscher in einer dritten Untersuchung die umgekehrte Perspektive ein: Sie untersuchten gesundheitliche Informationen von rund 206.000 Menschen im Alter von 30 bis 55 Jahren.

Bei 12.901 von ihnen war im Jahr 2008 erstmals Epilepsie festgestellt worden. Weitere 64.083 hatten schon länger Epilepsie, während 129.010 nicht an der Erkrankung litten. Anhand der Daten verfolgten die Forscher bis zu zehn Jahre lang, wie viele Menschen aus den drei Gruppen eine Demenz vor ihrem 65. Geburtstag entwickelten.

Es zeigte sich: Von den Menschen mit neu diagnostizierter Epilepsie erkrankten innerhalb von zehn Jahren 2,2 Prozent an Demenz. Bei den Menschen mit bereits länger bestehender Epilepsie waren es 1,7 Prozent, bei den Menschen ohne Epilepsie lediglich 0,2 Prozent.

Anders ausgedrückt: Von 1.000 Menschen mit einer neuen Epilepsiediagnose entwickelten rund 22 innerhalb von zehn Jahren eine frühe Demenz. Unter 1.000 Menschen ohne Epilepsie waren es dagegen nur etwa zwei.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version