Die fehlende Bewegung im Kindes- und Jugendalter wirkt ins Erwachsenenalter hinein und wirkt sich ungünstig auf die Rückengesundheit aus. „Wenn Kinder Sport und Bewegung nicht selbstverständlich in ihre tägliche Freizeit einbauen, sind Verspannungen der Rückenmuskulatur, Haltungsschäden und damit Rückenschmerzen im Erwachsenenalter vorprogrammiert“, sagt Kladny. Eine gezielte Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur können aber auch in fortgeschrittenem Alter noch helfen, die Beschwerden zu lindern oder zum Verschwinden zu bringen.
Oft verlangt der Beruf eine Menge vom Rücken ab. Dauernde Fehlhaltungen und Fehlbelastungen führen zu Verspannungen und Verschleiß und lösen immer wieder schmerzhafte Rückenerkrankungen aus. Bandscheibenvorfälle (Bandscheibenprolaps) beispielsweise gehören zu den häufigen Auslösern von Rückenschmerzen bei jungen und älteren Erwachsenen.
Die 23 Bandscheiben fangen Erschütterungen und Stauchungen der Wirbelsäule ab. Durch lange Überlastungen können sie einreißen und verrutschen. Gelangen Teile in den Wirbelkanal, wo das Rückenmark liegt, sind starke Rückenschmerzen sowie Taubheitsgefühle in Armen und Beinen die Folge. Etwa fünf Prozent der Menschen leiden mindestens einmal im Leben an einem Bandscheibenvorfall.
Erwachsene, die viel Zeit im Sitzen oder im Stehen verbringen, klagen oft über ziehende, stechende Schmerzen im Lendenbereich, die manchmal bis in den Oberschenkel hinein ausstrahlen. Vor allem das Sitzen und das Aufrichten fällt dann schwer.
Die Beschwerden gehen häufig vom verkrampften Piriformismuskel aus. Der Muskel schwillt dann an und drückt häufig auch auf den Ischiasnerv. Typische Ischiasschmerzen treten plötzlich auf und strahlen über das Gesäß und die Oberschenkelrückseite teilweise bis in die Fußsohle aus.
Ist der Piriformis-Muskel als Verursacher der Schmerzen ausgemacht, sind Bewegung, Lockerung und Dehnung die Therapie der Wahl. Mit Physiotherapie und Muskeltraining lassen sich die Beschwerden meist gut in den Griff bekommen.
Stress, Termindruck, familiäre Herausforderungen: Lastet zu viel emotionaler Druck auf der Seele, äußert sich dieser in vielen Fällen ebenfalls in Rückenschmerzen. Es lastet dann wortwörtlich „zu viel Druck auf den Schultern“. Angsterkrankungen beispielsweise gehen häufig mit Verspannungen und Verkrampfungen der Nacken-, Schulter- und Rückenregion einher, da sie unter anderem eine erhöhte muskuläre Anspannung bei Betroffenen verursachen können.
Neben dem Ausschluss einer organischen Ursache sei es deshalb wichtig, psychische Einflüsse auf ein bestimmtes Krankheitsbild zu berücksichtigen, um es behandeln zu können, so der Rat der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.
Mit fortschreitendem Alter können chronische Rückenschmerzen auf Osteoporose (Knochenschwund) hindeuten, so der Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V. In Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen an Osteoporose. Weniger als ein Viertel aller Fälle wird dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. zufolge frühzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt.
