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Politik

Was wird aus dem Russischen Haus?

wochentlich.deBy wochentlich.de16 August 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Kultur in Zeiten des Krieges

Der Klotz des Anstoßes: Was wird aus dem Russischen Haus?

Aktualisiert am 16.08.2026 – 07:00 UhrLesedauer: 5 Min.

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Harmloses Kulturzentrum, Propagandaschleuder oder Spionagenest? Am Russischen Haus scheiden sich die Geister. (Quelle: Soeren Stache/dpa/dpa-bilder)

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Harmloses Kulturzentrum oder Spionagenest? Deutschland muss entscheiden, wie es mit dem Russischen Haus in Berlin umgehen will. Die Uhr tickt für den Ausstieg aus einem Abkommen mit Moskau.

Friedrichstraße 176-179, beste Citylage, doch zunehmend ein politisches Problem für Deutschland und Berlin: das russische Kulturinstitut, genannt Russisches Haus. Es ist seit Jahren umstritten. Darf Russland, das die Ukraine seit 2022 mit einem zerstörerischen Krieg überzieht, mitten in der Hauptstadt ungestört seine Kultur vermitteln?

Und geht es überhaupt um Kultur? Deutsche Behörden halten sich mit Einschätzungen zurück. Doch das französische Innenministerium sagte unlängst, das Haus werde von russischen Geheimdiensten zur Tarnung genutzt. Also ein Spionagenest? Moskaus Außenstelle für hybride Kriegsführung gegen Deutschland? Die Rufe nach einer Schließung mehren sich. Doch die Lage ist kompliziert. Das muss man zum Konflikt um das Russische Haus wissen:

Der Stein des Anstoßes: Kulturzentrum unter EU-Sanktionen

Der sieben Stockwerke hohe Betonklotz steht seit 1984 an der Friedrichstraße. Damals war er das größte sowjetische Auslandskulturinstitut. Gastgeberland DDR und Sowjetunion sind Geschichte, heute heißt die Einrichtung Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur. Es verfügt über Ausstellungsräume, Konzertsaal, Kino, Buchladen und eine Filiale der russischen Post.

Betrieben wird das Haus von Rossotrudnitschestwo, der staatlichen russischen Agentur für kulturelle Zusammenarbeit. Sie untersteht dem Außenministerium in Moskau. Wegen des Ukraine-Krieges setzte die EU die Agentur 2022 auf ihre Sanktionsliste. Seitdem darf das Russische Haus über sein Konto nur unter Aufsicht der Bundesbank verfügen. Diplomatische Immunität genießt es nicht.

Das Programm umfasst Weltkriegsgedenken, Auftritte deutscher Kosakenchöre, sowjetische und russische Filme, Veranstaltungen zu Alexander Puschkin und anderen Künstlern. Das meiste klingt unpolitisch, vermittelt aber die Moskauer Weltsicht und den Anspruch einer einzigartigen russischen Kultur. Angeboten werden auch Russischkurse, Ballett und Zeichnen. Der Kontakt mit Russland soll trotz des Ukraine-Krieges normal erscheinen.

Was sagen die Gegner des Russischen Hauses?

„Auch wir wissen, dass in diesem Haus mehr stattfindet als harmlose Sprachkurse“, sagt Robin Wagener, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er halte die französischen Vorwürfe für plausibel, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Institut sei für Moskau „Teil der Informationskriegsführung“. Und weil das Russische Haus gegen Sanktionen verstoße, müsse es geschlossen werden. „Ein Rechtsstaat muss Recht und Gesetz auch durchsetzen wollen.“

Russisches Haus der Wissenschaft und KulturVergrößern des Bildes
Henry Lindemeier protestiert fast jeden Tag als Ein-Mann-Mahnwache vor dem Russischen Haus. (Quelle: Soeren Stache/dpa/dpa-bilder)

Henry Lindemeier kennt das Russische Haus gut – von außen. Seit 2024 steht er fast täglich vor der Tür mit einer blau-gelben Fahne, weist Besucher auf das Schicksal der Ukraine hin. „Anfangs, als ich hier stand, dachte ich, ja, das ist eine Propagandabude, die wollen Propaganda in die deutsche Gesellschaft reintragen“, sagt er.

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