Geheimnisvolle Insel Hy-Brasil

Der größte Irrtum der Seefahrer?


Aktualisiert am 15.09.2026 – 07:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Wie hätte Hy-Brasil wohl ausgesehen? Die Insel wurde als neblig beschrieben, wie hier auf diesem Foto Nolsoy, die zu den Faröer Inseln gehört. (Quelle: IMAGO/Scott Masterton)

Die Geschichte von Hy-Brasil zeigt, wie sehr Menschen das Unbekannte mit Bedeutung füllen wollen. Die Insel war nie nur ein geografischer, sondern eher ein Sehnsuchtsort.

Inseln haben die Fantasie der Menschen schon immer beflügelt. Nicht nur als ferne Paradiese, sondern auch als Projektionsflächen für das Unbekannte, Geheimnisvolle und bisweilen Unheimliche. Geschichten über versunkene Reiche, verborgene Welten oder schwer erreichbare Inseln ziehen sich durch viele Kulturen.

Ein bekanntes Beispiel ist Lemuria. Ihre Existenz und ihr Untergang im Indischen Ozean sollten das Fehlen von Lemuren zwischen Madagaskar und Indien wissenschaftlich erklären. Was zunächst im 19. Jahrhundert als ernsthafte Theorie gedacht war, entwickelte sich rasch zu einem Nährboden für esoterische Spekulationen und Fantastereien.

In diese Tradition reiht sich auch Hy-Brasil (manchmal auch Hye-Brasil oder nur Brasil) ein – eine sagenhafte Insel im Atlantik, die über Jahrhunderte hinweg auf Karten westlich von Irland verzeichnet war, obwohl ihre Existenz nie bewiesen werden konnte. Der Name ist Gälisch und bedeutet Ort des Friedens und der Harmonie.

Karte aus dem 17. Jahrhundert: Westlich von Irland ist Brasil eingezeichnet. Dies ist nur eine Karte von vielen, die die Insel zeigen. (Quelle: mythicalireland)

Die Legende: Insel im Nebel

Hy-Brasil wurde angeblich im 6. Jahrhundert von keltischen Mönchen entdeckt. Die Insel wird als ein Ort beschrieben, der sich dem menschlichen Zugriff entzieht. Der Legende nach liegt sie meist verborgen in dichtem Nebel und wird nur selten sichtbar. In manchen Überlieferungen heißt es, sie zeige sich nur alle sieben Jahre. Selbst wenn Hy-Brasil erscheint, bleibt sie oft unerreichbar, als würde sie sich vor der Entdeckung verstecken.

In vielen Geschichten wird Hy-Brasil als eine Art paradiesisches Land geschildert: reich, fruchtbar und von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Manche Erzählungen berichten sogar von übernatürlichen Bewohnern oder fortschrittlichem Wissen, die dort verborgen sein sollen. Sie wird außerdem als Herkunftsinsel des keltischen Göttergeschlechts der Tuatha De Danann beschrieben. Diese Mischung aus Schönheit und Unerreichbarkeit verlieh der Insel den Ruf eines „irischen Atlantis“.

Platon-Statue in Athen. (Quelle: IMAGO/Giorgos Arapekos)

Was hat es mit Atlantis auf sich?

Atlantis ist ein legendäres, sagenumwobenes Inselreich, das erstmals von dem griechischen Philosophen Platon (ca. 400 v. Chr.) in seinen Werken „Timaios“ und „Kritias“ beschrieben wurde. Es gilt als Sinnbild für eine versunkene, hochentwickelte Zivilisation. Platon lokalisierte Atlantis im Atlantik, direkt vor den „Säulen des Herkules“, der heutigen Straße von Gibraltar.

Seefahrerberichte und Expeditionen

Trotz oder gerade wegen ihres mystischen Rufs wurde Hy-Brasil von Seefahrern über Jahrhunderte hinweg ernsthaft gesucht. Bereits im 15. Jahrhundert brachen Expeditionen, etwa aus der englischen Hafenstadt Bristol, auf, um die Insel zu finden. Immer wieder berichteten Seeleute, sie hätten Hy-Brasil gesichtet oder sogar betreten.

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