Exoskelette im Job
„Dieses Bild aus Hollywood führt in die Irre“
11.07.2026 – 13:25 UhrLesedauer: 4 Min.

Filme haben die Vorstellung von Exoskeletten geprägt. Ein Gespräch mit einem der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet zeigt, warum die Realität davon weit entfernt ist.
Sigourney Weaver steigt in einen tonnenschweren Metallanzug, stellt sich schützend vor ein kleines Mädchen und verpasst dem Alien-Monster einen rechten Haken. Die Szene aus dem Film „Aliens“ (1986) hat das Bild vom Exoskelett über Jahrzehnte geprägt: eine schwere, starre Kampfmaschine.
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Conor Walsh, Professor an der Harvard University und Mitgründer der Firma Verve Motion, entwickelt Exoskelette aus Textilien, die kaum mehr wiegen als ein Rucksack. Im Gespräch erklärt er, warum das Filmklischee in die Irre führt – und wie Unternehmen die Technologie bereits anwenden.
t-online: Herr Walsh, warum ist das Bild von einem Exoskelett als harter, tonnenschwerer Kampfanzug ein Missverständnis?
Conor Walsh: Ein Exoskelett muss keine starre Kraftmaschine sein, die Menschen übermenschlich stark macht – dieses Bild aus Hollywood führt in die Irre. Für vollständig gelähmte Menschen ergeben massive, starre Konstruktionen durchaus Sinn. Für gesunde oder nur leicht eingeschränkte Personen sind sie dagegen völlig überdimensioniert.
Als Masterstudent am MIT habe ich selbst an einem starren System gearbeitet, das Soldaten das Gehen mit schwerem Gepäck erleichtern sollte. Am eigenen Körper habe ich gespürt, wie stark ein solches Gerät natürliche Bewegungen einschränkt und wie wenig das zusätzliche Gewicht tatsächlich half. Deshalb hat mich die Frage umgetrieben: Wie gibt man einem Menschen nur so viel Unterstützung, wie er wirklich braucht? Was, wenn Menschen nur einen kleinen Schubs brauchen, wie jemand auf einer Schaukel?

Zur Person
Conor Walsh (44) lehrt seit 14 Jahren als Professor an der Harvard University, nach Studienstationen am Trinity College Dublin und am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
In Harvard forscht er an der Schnittstelle von Bewegungswissenschaft, funktionellem Bekleidungsdesign und Robotik. Vor sechs Jahren gründete er das Unternehmen Verve Motion mit, das Exoskelette entwickelt.
Sie entwickeln stattdessen weiche Exoskelette. Wie fühlt sich so ein Anzug für die tragende Person an?
Man spürt ihn, aber mit rund 2,4 Kilogramm wiegt das Gerät kaum mehr als ein leichter Rucksack. Der Anzug meiner Firma Verve Motion besteht aus zwei Schultergurten, die man wie einen Rucksack anlegt, und zwei Bändern um die Oberschenkel. Über den Rücken verläuft ein Kabel, das ein Motor spannt – im Grunde ein künstlicher Muskel, der bei jeder Beugung mitzieht.
Wie funktioniert diese Stütze technisch?
Sensoren erkennen Hebebewegungen automatisch und lösen den Motor im richtigen Moment aus. Das ahmt die Arbeit der Rückenmuskulatur nach, sodass die Muskeln weniger arbeiten müssen. Wenn jemand mit dem Gerät eine Zehn-Kilogramm-Kiste hebt, fühlt es sich an wie sechs Kilogramm. Das Gerät entlastet den Rücken um etwa 40 Prozent.
