Aber wenn dieses Verfahren so viel präziser ist, warum wurde es dann nicht schon öfter und früher genutzt?

Das hat drei Gründe: Erstens ist diese Technik sehr kostspielig, denn solche Isotope herzustellen, benötigt viel Energie und zur Auswertung der Urinproben braucht es sehr präzise Analysegeräte. Zweitens ist die Methode erst in den letzten zehn bis 20 Jahren wirklich ausgereift. Und drittens sind auch Wissenschaftler nur Menschen.

In den 50ern waren die Sauerstoffmessungen im Labor der Stand der Technik, aber den Forschern damals war klar, dass ihre Ergebnisse nur Annäherungen an die Wirklichkeit sind. Eine Forschergeneration später, in den 70ern, hatten die Wissenschaftler aber schon vergessen, dass diese vermeintlich präzisen Werte eigentlich nur Schätzungen sind. Und jetzt, noch einmal 50 Jahre später, können wir uns gar nicht mehr vorstellen, dass diese Daten falsch sein könnten, weil wir sie überall immer wieder gelesen haben – ob in Studien, in Schulbüchern oder im Internet. Deshalb hat bis dahin niemand die alten Fragen nach dem Kalorienverbrauch mit neuen Methoden untersucht. Aber so funktioniert Wissenschaft, was ich heute für wahr halte, kann morgen schon wieder veraltet sein.

Wenn all diese Messungen sich an jedem Menschen gleichermaßen durchführen lassen, dann hätten Sie für diese Ergebnisse ja eigentlich gar nicht um die ganze Welt reisen und Ureinwohner untersuchen müssen, oder?

Als Anthropologe würde ich trotzdem solche Daten bei einer Jäger-und-Sammler-Gesellschaft wie den Hadza erheben wollen. Die ganze Vielfalt menschlicher Erfahrungen ist spannend zu erfassen und zu beobachten. Doch für die konkrete Fragestellung nach körperlicher Aktivität und Energieverbrauch stimmt es, dass wir das auch in einer näherliegenden Bevölkerung hätten machen können. Wir hätten eine Menge Zeit und Geld sparen und diese ganze Forschung zu Hause machen können. Aber all das wussten wir vorher ja noch nicht.

Noch eine Frage zu Ihnen persönlich: Machen Sie sich eigentlich viele Gedanken über Ihr eigenes Gewicht?

Ich achte schon auf mein Gewicht, aber ich hatte weder als Kind noch jetzt als Erwachsener große Probleme, ein gesundes Gewicht zu halten. Ich habe das Glück, dass ich zu den Menschen gehöre, die sich dafür nicht besonders anstrengen müssen.

Was für Tipps haben Sie zum Abnehmen?

Finden Sie eine Ernährungsweise, die Sie mit weniger Kalorien satt macht. Welche Ernährung für Sie funktioniert, kann sich von der unterscheiden, die bei jemand anderem wirkt. Ein guter Anfang ist es, gesunde, unverarbeitete Lebensmittel zu bevorzugen und stark verarbeitete Produkte zu meiden.

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