Krebsrisiko
Warum Raucher besser auf Betacarotin-Kapseln verzichten
Aktualisiert am 03.11.2025 – 08:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Menschen möchten mit Betacarotin-Kapseln ihre Gesundheit unterstützen. Doch Achtung: Bei Rauchern steigt mit der Einnahme das Lungenkrebsrisiko.
Vitamin- und Mineralstoffpräparate sind beliebt. Dazu gehören auch Kapseln mit Betacarotin, einer Vorstufe von Vitamin A. Sie sollen die Sehkraft unterstützen, das Immunsystem stärken, Zellschäden vorbeugen und die Haut vor Sonne schützen. Doch Studien zeigen: Die Einnahme kann Risiken bergen. So steigt bei Rauchern das Risiko für Lungenkrebs. Wie viel Betacarotin ist unbedenklich?
Betacarotin (ß-Carotin) gehört zur Familie der Carotinoide. Der in Pflanzen vorkommende Farbstoff verleiht vielen Gemüse- und Obstsorten seine gelbe bis rote Farbe. Betacarotin ist eine Vorstufe von Vitamin A, auch Retinol genannt. Die Einnahme des fettlöslichen sekundären Pflanzenstoffs als Nahrungsergänzungsmittel ist beliebt.
Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Während Betacarotin, das beispielsweise über Lebensmittel wie Karotten, Süßkartoffeln, rote Paprika und Aprikosen, aber auch über grünes Blattgemüse, Fisch, Eigelb und Milchprodukte aufgenommen wird, gesundheitsförderlich ist, sind höhere Dosen unter Umständen kritisch.
Eine Überdosierung von Betacarotin kann Nebenwirkungen haben und gesundheitsschädlich sein. Größere Mengen werden dem Körper in der Regel über die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Betacarotin-Kapseln und Multivitaminpräparaten zugeführt. Hochdosiertes, isoliertes Betacarotin steht unter Verdacht, bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko zu erhöhen. Besonders bekannt sind die ATBC-Studie (Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention Study) aus Finnland sowie die CARET-Studie (Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial) aus den USA.
Die genauen Mechanismen sind nicht abschließend geklärt. Es wird vermutet, dass Betacarotin in der stark oxidativen Umgebung der Raucherlunge nicht mehr als Antioxidans wirkt, sondern dazu führt, dass schädliche Abbauprodukte entstehen, die das Krebsrisiko fördern. Zusammen mit den im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffen scheint Betacarotin eine schädliche Wirkung zu bekommen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, bei der Einnahme entsprechender Präparate aufgrund der „unerwartet negativen Ergebnisse aus kontrollierten Studien mit ß-Carotin-Supplementen“, darunter eine erhöhte Lungenkrebsrate und Sterblichkeit bei Personen, die rauchen oder beruflich mit Asbest arbeiten, vorsichtig zu sein. Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sollten laut dem BfR maximal 3,5 Milligramm Betacarotin pro Tagesdosis enthalten. Denn: Die Versorgungslage mit zugesetztem Betacarotin ist bereits aufgrund der Vielzahl angereicherter Lebensmittel recht hoch. Die tägliche Aufnahme kann so unbemerkt rasch in die Höhe steigen.
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) geht davon aus, dass eine Aufnahme von bis zu 15 Milligramm pro Tag sicher ist, auch wenn viel geraucht wird. Diese Höchstmenge wird der Verbraucherzentrale NRW zufolge unter Umständen schnell erreicht: „Hochverzehrer“ von verarbeiteten Lebensmitteln könnten die Höchstmenge von 15 Milligramm laut den Verbraucherschützern bereits allein durch Fruchtsäfte oder -nektare ausschöpfen.
Hinzu kommt, dass Betacarotin vielen Nahrungsmitteln als Farbstoff (E 160 a) zugesetzt ist. Laut der EFSA werden über den Farbstoff durchschnittlich ein bis zwei Milligramm Betacarotin pro Tag aufgenommen. Der Rat der Verbraucherschützer lautet entsprechend: Wer reichlich verarbeitete Lebensmittel verzehrt und vielleicht auch noch raucht, sollte auf Betacarotin als Nahrungsergänzungsmittel verzichten.
