Wie viele Menschen sterben jährlich im Wasser?

2022 sind nach Angaben der DLRG mindestens 355 Menschen in Deutschland ertrunken. Viele davon verloren ihr Leben in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen. Den Rettungsschwimmern zufolge liegt das daran, dass Flüsse und Seen weniger gut bewacht sind als Küsten oder Schwimmbäder. Nach Angaben der Rettungsgesellschaft waren vier von fünf Opfern männlich und mittleren bis höheren Alters.

Wann tritt der Tod ein?

Die meisten Menschen können kaum länger als eine Minute die Luft anhalten. Danach folgt ein reflexartiges Einatmen. Gelangt Wasser in Atemwege kommt es jedoch zum sogenannten Stimmritzenkrampf – die Muskulatur im Kehlkopf zieht sich reflexartig zusammen, damit kein Wasser in die Lunge gelangt. Dadurch wird jedoch auch die Atmung blockiert. Durch den Sauerstoffmangel folgt die Bewusstlosigkeit, welche zu Hirn- und Organschäden und somit zum Tod führen kann. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Experten sprechen hierbei vom trockenen Ertrinken, welches letztendlich dem Ersticken gleichkommt.

In der Bewusstlosigkeit kann sich der Stimmritzenkrampf zudem wieder lösen. Dann gelangt doch Wasser in die Lunge, was die Lungenbläschen verklebt und zu Infektionen führen kann. Man spricht vom sogenannten nassen Ertrinken. Dieses kann als sekundäres Ertrinken auch noch Stunden später einsetzen.

Was sind die Hauptgründe für diese Unglücke?

Die hohe Anzahl männlicher Ertrunkener führt die DLRG vor allem auf Leichtsinn und Übermut zurück. Dazu komme die Unkenntnis über Gefahren im Wasser. Senioren gehe schnell die Kraft aus. Herzprobleme oder Diabetes seien ebenfalls oft ein Problem. Beim Schwimmen im Fluss wird die Strömung unterschätzt, teilweise sind Menschen betrunken zu weit rausgeschwommen, oder ein Kind ist gestolpert und mit dem Gesicht ins Wasser gefallen. Darüber hinaus sei die Schwimmfähigkeit insgesamt rückläufig.

Ist es wirklich gefährlich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen?

Wer hat diese Baderegel nicht schon einmal gehört? Doch das Amerikanische Rote Kreuz fand in einer großen Überblicksanalyse im Jahr 2011 bei Jugendlichen und Erwachsenen keinen lebensgefährlichen Einfluss eines vollen Magens. Mit vollem Bauch können die Schwimmbewegungen dennoch schwerer fallen. Die DLRG warnt vor dem Gang ins Wasser mit ganz vollem Bauch insbesondere mit Blick auf Kinder. Wenn ihnen beim Baden oder Schwimmen übel wird, sie gar erbrechen und möglicherweise Wasser schlucken, könne es lebensgefährlich werden.

Ein leerer Magen könne dagegen wirklich bei jedem zum Problem werden, so die Rettungsschwimmer. Denn zum Schwimmen braucht der Körper relativ viel Energie: In zehn Minuten wird ungefähr die Energie eines Apfels verbraucht.

Kälteschock: Bleibt das Herz beim Sprung ins kalte Wasser stehen?

Bei warmem Wetter fließt Blut vermehrt in Arme und Beine. Bei einem Sprung in kaltes Wasser ziehen sich die Gefäße zusammen und pumpen das Blut auf einmal zum Herz. Gerade stehende Gewässer können zum Verhängnis werden: Bei einem See kann sich die Wassertemperatur von der Oberfläche bis zur der Wasserschicht ab ein bis zwei Metern Tiefe um bis zu 15 Grad unterscheiden.

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