Deutschlands Krimireihe Nummer eins

„Tatort“: Warum Düsseldorf seit Jahrzehnten leer ausgeht

18.10.2026 – 18:48 UhrLesedauer: 2 Min.

Die „Tatort“-Kommissare Klaus J. Behrendt, Roswitha Schreiner und Martin Lüttge (v.l.): Mit einem Glas Altbier auf Verbrecherjagd in Düsseldorf. (Quelle: Horst Galuschka via www.imago-images.de/imago)

Seit fast drei Jahrzehnten bleibt Düsseldorf beim ARD-„Tatort“ außen vor. Eine Spurensuche zeigt, wie Strategie und Sparzwang die Landeshauptstadt ausbremsen.

Wenn am Sonntagabend das legendäre Fadenkreuz über den Bildschirm flimmert, ermittelt die Republik in München, Köln, Münster oder einer anderen deutschen Stadt. Doch wer die Silhouette der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf im „Tatort“ sucht, blickt seit fast drei Jahrzehnten in die Röhre. Es stellt sich daher die Frage: Warum leistet sich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) eigentlich keinen eigenen Ermittler in Düsseldorf? Eine Spurensuche nach den Hintergründen.

Ein Blick zurück zeigt: Es gab sie, die Düsseldorfer Krimizeit. Zwischen 1992 und 1997 schickte der WDR das Team um Kriminalhauptkommissar Bernd Flemming (gespielt vom 2017 gestorbenen Martin Lüttge), Miriam Koch (Roswitha Schreiner) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) am Rhein auf Verbrecherjagd. Doch nach 15 Folgen und der Episode „Brüder“ war 1997 Schluss.

  • Abschied angekündigt: Klaus J. Behrendt ermittelte schon im Düsseldorfer „Tatort“
Mit einem alten VW auf den Rheinwiesen in Oberkassel, im Hintergrund der Rhein und die Altstadt: Es gab in den 1990er-Jahren auch einen „Tatort“ aus Düsseldorf. (Quelle: Horst Galuschka via www.imago-images.de/imago)

Der Abschied war jedoch kein Abschied für immer – zumindest nicht für alle Beteiligten. Schauspieler Klaus J. Behrendt packte als Max Ballauf seine Koffer und zog nur wenige Kilometer weiter rheinaufwärts. Seit Herbst 1997 ermittelt er zusammen mit Dietmar Bär alias Freddy Schenk in Köln. Der Kölner „Tatort“ stieg in der Folge zu einem der langlebigsten und erfolgreichsten Ableger der gesamten ARD-Reihe auf – zulasten Düsseldorfs.

Die Tatort-Strategie des WDR in NRW: Köln, Münster, Dortmund

Die Entscheidung, Düsseldorf als permanenten „Tatort“-Standort aufzugeben, war vor allem eine strategische Weichenstellung des WDR. Der Sender bündelt seine fiktionalen Großprojekte in Nordrhein-Westfalen seit jeher sehr gezielt. Mit den Teams in Köln (Ballauf und Schenk), dem Quotengaranten Münster (Thiel und Boerne) sowie dem Revier-Krimi in Dortmund (Faber) ist das Bundesland innerhalb der ARD-Familie bereits überproportional stark und diversifiziert vertreten.

Aus Sicht der Programmverantwortlichen decken diese drei Standorte wohl das gesamte emotionale und geografische Spektrum des Landes ab: das großstädtisch-kölsche Flair, die provinzielle Schärfe Westfalens und das raue, postindustrielle Ruhrgebiet. Für die rheinische Schifffahrts- und Modemetropole Düsseldorf blieb in diesem Gefüge schlicht kein Sendeplatz mehr frei.

Ein „Tatort“ aus Düsseldorf im Jahr 1996: Die Darsteller Roswitha Schreiner und Martin Lüttge ermitteln am Hauptbahnhof. (Quelle: IMAGO/United Archives / Kindermann/imago)
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