Zukunft der Blutspende
Stütze des Systems bricht weg
Aktualisiert am 14.06.2026 – 12:12 UhrLesedauer: 3 Min.
3,7 Millionen Blutspenden braucht es in Deutschland jedes Jahr. Nun zieht sich die größte Spendergruppe jedoch langsam zurück, Nachfolger werden dringend gesucht.
Blut ist kostbar und als Spendengut knapp: Bundesweit werden nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) täglich rund 15.000 Blutspenden für Operationen, Unfallopfer und die Behandlung schwerer Krankheiten wie Krebs benötigt.
Doch das System sieht sich mit einer großen Herausforderung konfrontiert: der Alterung der Gesellschaft. Diese wirkt gleich doppelt: Auf der einen Seite steigt mit dem Alter der potenzielle Bedarf an Blutpräparaten. Zugleich verteilt sich die Spendenbereitschaft auf immer weniger Schultern. „Die Generation der Babyboomer hat das System über Jahrzehnte getragen – und fällt jetzt sukzessive aus dem System heraus“, sagt Stephan Küpper, Leiter Kommunikation beim DRK-Blutspendedienst West, im Gespräch mit t-online.
Zwar ist nach der Änderung des Transfusionsgesetzes die Höchstaltersgrenze für Spender mittlerweile entfallen – Spenden sind somit auch im hohen Alter noch möglich. Entscheidend ist jedoch der Gesundheitszustand. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine Blutspende nicht mehr erlaube. Viele Ältere nehmen zudem Medikamente. Auch deren Einnahme macht eine Spende häufig unmöglich.
Zu wenige neue Spender
Neue Spender werden deshalb dringend gesucht, doch kommen bislang zu selten nach. So ist das Durchschnittsalter der Spender in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. „Wir brauchen vor allem mehr Menschen, die den Schritt zur ersten Blutspende machen – und daraus eine Routine entwickeln“, verdeutlicht Küpper. Das Deutsche Rote Kreuz geht auch deshalb neue Wege. Neben den klassischen mobilen Blutspendeterminen setzt das DRK zunehmend auch auf feste und Pop-up-Blutspendezentren in Einkaufszentren oder Innenstädten. Niedrigschwellige Angebote, mit denen vor allem Erstspender und jüngere Zielgruppen gewonnen werden sollen.
Weltblutspendetag
Der Weltblutspendetag findet jedes Jahr am 14. Juni statt. An diesem Tag wurde im Jahr 1868 Karl Landsteiner, der Entdecker der Blutgruppen, geboren. Ins Leben gerufen wurde der Aktionstag 2004, um an die Relevanz von Blutspenden zu erinnern. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Ein Tropfen Menschlichkeit. Blut spenden. Leben retten“.
Dennoch braucht es grundsätzliche Überzeugungsarbeit. „Blutspenden sind für viele Menschen eine sehr abstrakte Geschichte“, sagt Küpper. Schließlich erfahren die Spender nicht, wem mit ihrer Spende geholfen wird. Man müsse die Menschen folglich nicht nur über den Kopf, sondern auch über das Herz erreichen.
„Blutspenden ist im Grunde ein Sozialversicherungssystem: Diejenigen, die gesund sind, spenden für diejenigen, die es gerade nicht sind“, erläutert Küppers. Ein Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung liege somit nicht fern. „Am Ende hoffen wir alle darauf, dass Blut verfügbar ist, wenn wir es selbst einmal brauchen.“
Rund 3,7 Millionen Spenden brauche es laut Angaben der Krankenkasse AOK im Jahr. Insgesamt 500 Milliliter werden bei einer Blutspende entnommen – genug, um damit bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten helfen zu können.
Weltmeisterschaft verschärft Sommerloch
Allerdings ist die Haltbarkeit stark begrenzt. Blutpräparate halten maximal 42 Tage, manche Konzentrate sogar nur wenige Tage. Nachschub wird folglich permanent benötigt. Und gerade deshalb kann die an diesem Donnerstag gestartete Fußball-Weltmeisterschaft zu einem Problem werden. Ohnehin sieht sich das DRK in den warmen Monaten mit einem Sommerloch konfrontiert. Wenn die Leute im Urlaub sind, fällt die Blutspende aus.
