Falsche Warnung
Das steckt hinter dem WhatsApp-Kettenbrief zum KI-Zugriff
09.06.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein weitergeleiteter Kettenbrief warnt vor dem angeblichen Zugriff von KI auf alle WhatsApp-Chats und rät zu einer bestimmten Konfiguration. Was an der Behauptung dran ist.
Auf WhatsApp kursiert derzeit eine Nachricht, die vor einem angeblichen Zugriff Künstlicher Intelligenz auf sämtliche Chats warnt. Doch die Sorge ist unbegründet: Die Behauptung des Kettenbriefs ist falsch. Der KI-Assistent des Dienstes liest Unterhaltungen nicht ungefragt mit.
In der weitergeleiteten Nachricht heißt es, ab dem kommenden Samstag werde KI auf WhatsApp verfügbar sein und Zugriff auf alle Unterhaltungen erhalten. Gruppenadministratoren werden aufgefordert, die Einstellung „Erweiterter Datenschutz“ zu aktivieren. Andernfalls könne die Software Gruppennachrichten öffnen, Telefonnummern einsehen und persönliche Daten vom Telefon abrufen, auch aus privaten Gesprächen. Die Nachricht nennt weder einen Absender noch eine Quelle und endet mit der Bitte, sie weiterzuleiten.
So funktioniert der KI-Assistent wirklich
Der Assistent mit dem Namen Meta AI gehört seit Längerem zu WhatsApp und verarbeitet ausschließlich Inhalte, die Nutzer ihm selbst vorlegen. Eine Änderung daran ist nicht geplant.
- Chat-Übersicht: WhatsApp verbessert die Listenverwaltung unter iOS
- Sicherheitslücke: Meta-KI hilft Hackern bei der Übernahme fremder Konten
Um dem Assistenten etwas vorzulegen, haben Nutzer in Deutschland zwei Möglichkeiten: Sie können ihm direkt schreiben, ähnlich wie anderen KI-Chatprogrammen, und ihm einzelne Nachrichten etwa zur Übersetzung schicken. Oder sie holen ihn gezielt in eine Unterhaltung, indem sie „@MetaAI“ (oder mit Leerzeichen „@Meta AI“) auswählen. Auf den übrigen Verlauf eines Chats hat die Software keinen Zugriff, ebenso wenig auf Telefonnummern oder Dateien auf dem Gerät.
Die durchgehende Verschlüsselung der Nachrichten besteht ebenfalls weiter. WhatsApp erklärt dazu: „Nur Nachrichten, in denen @Meta AI erwähnt wird oder die Personen mit Meta AI teilen, können von Meta gelesen werden. Meta kann keine anderen Nachrichten in deinen persönlichen Chats lesen.“
Das steckt hinter dem „erweiterten Datenschutz“
Die im Kettenbrief empfohlene Einstellung gibt es tatsächlich, allerdings schon seit April 2025. Der „erweiterte Chat-Datenschutz“ lässt sich für jeden Einzel- oder Gruppenchat getrennt ein- und ausschalten, indem man oben auf den Namen der Unterhaltung tippt und zum entsprechenden Schalter scrollt. In Gruppenchats kann nur der Administrator die Einstellung aktivieren.
Ist die Funktion aktiv, speichert WhatsApp geteilte Fotos und Videos nicht mehr automatisch, und das Sichern ganzer Chatverläufe wird blockiert. Zusätzlich lässt sich in der betroffenen Unterhaltung keine Anfrage an Meta AI mehr stellen. Bildschirmfotos, das händische Speichern von Fotos und das Kopieren einzelner Nachrichten bleiben jedoch möglich.
Solche Kettenbriefe folgen einem festen Muster: Sie bauen einen Handlungsdruck auf und verlangen, die Warnung sofort an möglichst viele Kontakte zu schicken. Das Format ist älter als WhatsApp und kursierte schon zu frühen Zeiten von Facebook und SMS, damals mit der Drohung kostenpflichtiger Konten oder gelöschter Profile.
