Vor dem Facharzt zum Hausarzt
Diese Gruppe würde von Warkens Gesundheitsreform profitieren
08.06.2026 – 17:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken plant eine weitreichende Reform des Arztbesuchs in Deutschland. Eine Organisation könnte davon profitieren.
Die geplante Einführung eines Primärarztsystems könnte einer Dienstleistungsgesellschaft des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands zusätzliche Geschäfte verschaffen. Das berichtet der „Spiegel“ unter Verweis auf die Reformpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Kern der Reform ist, dass gesetzlich Versicherte künftig in der Regel zunächst eine Hausarztpraxis aufsuchen sollen, bevor sie einen Facharzttermin erhalten. Nach Angaben des Magazins soll die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) dabei zu einem verpflichtenden Bestandteil des Systems werden. Ein Referentenentwurf werde noch für diesen Sommer erwartet.
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Von einer solchen Ausweitung würde die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) profitieren. Die Gesellschaft wickelt im Auftrag des Hausärzteverbands die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung ab und erhält dafür Verwaltungspauschalen. Nach „Spiegel“-Angaben wurden 2024 HZV-Honorare im Umfang von rund 1,9 Milliarden Euro über die Gesellschaft abgewickelt. Die Umsatzerlöse lagen demnach bei 55,3 Millionen Euro, der Jahresüberschuss bei 1,52 Millionen Euro.
Wirksamkeit der HVZ ist umstritten
Derzeit sind knapp zehn Millionen Versicherte in HZV-Verträgen eingeschrieben. Mit der von Warken geplanten Reform könnte das Modell zum Regelfall für die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland werden. Damit würde sich auch die wirtschaftliche Bedeutung der HÄVG deutlich erhöhen.
Der Hausärzteverband wirbt seit Jahren für eine stärkere Steuerung der Patienten über Hausarztpraxen. Verbandschef Markus Beier gehört zu den prominentesten Befürwortern eines Primärarztsystems.
Zugleich ist die Wirksamkeit der Hausarztzentrierten Versorgung umstritten. Ein Gutachten im Auftrag der Techniker Krankenkasse kam laut „Spiegel“ im April zu dem Ergebnis, dass das Modell bundesweit weder die Versorgung verbessere noch Kosten senke. Die beteiligten Gesundheitsökonomen sehen stattdessen Hinweise auf zusätzliche Ausgaben.
