Grausame Praxis vor Comeback

Isländer gehen wieder auf die Wal-Jagd

11.06.2026 – 11:07 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Timmy genannte Wal vor der dänischen Insel Anholt. (Quelle: Marcus Golejewski/dpa)

In Island droht Walen jetzt ein hartes Schicksal: Die Walfang-Saison startet erstmals wieder seit zwei Jahren. Tierschützer zeigen sich enttäuscht.

Die Wiederaufnahme des Walfangs in Island steht nach zweijähriger Pause kurz bevor. Die Reederei Hvalur hf. hat bekannt gegeben, in diesem Sommer wieder Finnwale erlegen zu wollen. Der Eigentümer des Unternehmens, Kristján Loftsson, besitzt dafür noch eine Lizenz. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Schiffe werden nächste Woche zur Slipanlage gebracht“, sagte Loftsson vergangene Woche dem Portal „Morgunblaðið“.

Am 6. Juni 2026 forderte die isländische Organisation Hvalavinir (Freunde der Wale) Hanna Katrína Friðriksson, die Ministerin für Industrie und Handel, auf, die Walfangquoten für Finn- und Zwergwale für die Saison 2026 auf null zu setzen. Aktuell gilt eine erlaubte Fangquote von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen.

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Nicht nur in Island: Massive Kritik am Walfang

Das Vorhaben stößt bei Tierschützern und in der Bevölkerung auf Unverständnis. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Maskína sprachen sich 51 Prozent der befragten Isländer gegen den Walfang aus, 29 Prozent dafür. Auf Kritik stoßen primär die Umstände, unter denen die Tiere sterben.

„Es ist eine Katastrophe, dass in den kommenden Tagen die grausame Jagd auf Finnwale in Island erneut gestartet wird. Diese grausame und völlig unnötige Praxis ist durch nichts zu rechtfertigen“, kommentierte Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des Internationalen Tierschutz-Fonds (Ifaw) in Deutschland. „Wir sind von der Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson schwer enttäuscht.“ Die Regierung habe die Chance, den Walfang in dieser Saison zu stoppen oder wenigstens einzuschränken, ungenutzt verstreichen lassen.

Auch vonseiten der Deutschen Stiftung Meeresschutz gibt es Kritik: „Zahlreiche Studien, so auch der isländischen Regierung, zeigen, dass das Harpunieren von Großwalen ein grausamer, langwieriger und keinesfalls humaner Tötungsvorgang ist, wie von den Walfängern behauptet wird“, sagte Ulrich Karlowski, Biologe der Stiftung.

Ein Finnwal wird in der Walfangstation von Walfängern zerlegt. (Quelle: Ifaw)

Tatsächlich zeigt etwa eine offizielle Studie der isländischen Veterinärbehörde (MAST), dass ein erheblicher Anteil der gejagten Wale nicht sofort stirbt: Viele Tiere erleiden lang anhaltende Qualen, in einigen Fällen bis zu zwei Stunden, bevor sie verenden.

Laut der Whale and Dolphin Conservation Deutschland sind Finnwale gefährdet. Weltweit gibt es weniger als 100.000 Individuen. Sie können über 100 Jahre alt werden. Finnwale sind die zweitgrößten Säugetiere der Welt, größer ist nur der Blauwal. Zwergwale werden aktuell nicht als gefährdet eingestuft.

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