Reform der Alterssicherung

Vorschlag der Rentenkommission: Höhere Rente – mehr Beiträge

Aktualisiert am 21.06.2026 – 00:40 UhrLesedauer: 4 Min.

Mit dem Rentenkonzept der Fachleute wird klarer, wer künftig welche Bezüge und Beiträge zu erwarten hat. (Archivfoto) (Quelle: Jan Woitas/dpa/dpa-bilder)

Fünfeinhalb Monate haben 13 Fachleute und Politiker über Rente der Zukunft verhandelt. Weit über 100 Mal saß man zusammen. Ihr Vorschlag würde höhere Renten für Jüngere und höhere Beiträge bedeuten.

Mit höheren Beiträgen, mehr Einzahlenden und steigendem Rentenalter sollen künftig höhere Renten als nach geltendem Recht möglich werden. Das sehen nach Informationen aus der Rentenkommission die 30 Vorschläge vor, die das Gremium nach fünfeinhalb Monaten Beratungszeit am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben will. Auch mehrere andere Medien berichteten darüber. Das Rentenniveau soll durch eine neue Kapitalrente sogar leicht erhöht werden.

Die Kommission im Auftrag der Regierung unter der Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda und dem Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, tagte rund 150 Stunden, wie es in den Kreisen laut dpa-Informationen hieß. Geherrscht habe ein breiter Konsens über die Ergebnisse. Das hatte die Koalition erhofft, damit die Umsetzungschancen höher sind. An diesem Montag will das Gremium abschließend tagen. Laut Auftrag soll in Zukunft die Sicherung des Lebensstandards im Alter gerade für kleinere und mittlere Einkommen durch gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge möglich sein.

Steigendes Rentenalter

Das Rentenalter soll mit der Lebenserwartung steigen. Das würde den Berechnungen der Kommission nach bedeuten, dass Beschäftige 2041 erst mit 67,5 Jahren und 2051 mit 68 in Rente gehen könnten. Die Berechnung soll regelmäßig überprüft werden. Wegfallen sollen den Empfehlungen zufolge der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als „Rente mit 63“. Allerdings soll es eine neue Regelung für Menschen nach belastenden Arbeitsbiografien in rentennahen Jahrgängen geben.

Die Linke-Rentenexpertin, Sarah Vollath, kritisierte in der „Rheinischen Post“: „Schon heute schaffen es viele Menschen nicht, bis 67 zu arbeiten. Jetzt will die Rentenkommission das Arbeitsleben noch weiter verlängern.“

Neue Kapitalsäule

Künftig soll laut dem Vorschlag ein Teil der Rentenbeiträge am Aktienmarkt angelegt werden. In diese beitragsfinanzierte Kapitalsäule sollen später zwei Prozent vom Bruttolohn fließen, aufwachsend von anfangs 0,5 Prozent. Davon soll je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen.

Mit den Erträgen soll das Rentenniveau längerfristig stabilisiert werden. Bewirkt werden sollen höhere Renten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute, die ab 2040 in Rente gehen. Diese individuell ausgezahlte kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Modell soll von einem Staatsfonds verwaltet werden und verpflichtend sein. Bis sie wirkt, soll es einen steuerfinanzierten sogenannten Übergangsfaktor geben, um das Absicherungsniveau der Rente übergangsweise zumindest zu stützen.

Nachhaltigkeitsfaktor und höhere Beiträge

Die erste schwarz-rote Rentenreform – mit Mütterrente und der Sicherung des Rentenniveaus bis 2031 – wird trotz Skepsis nicht zur Disposition gestellt. Dann dürfte das Rentenniveau erst einmal sinken. Der derzeit ausgesetzte „Nachhaltigkeitsfaktor“ soll 2032 wieder greifen. Die jährliche Rentensteigerung wird damit wieder an die Zahl der Beitragszahler angepasst. Renten und Beitragssteigerungen fallen geringer aus. Die Kommission will sogar, dass der Faktor steigt, seine Wirkung also verschärft werden.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version