Wahlen in Berlin und Schwerin

„Vor Kraft kaum laufen“? – AfD hofft auf nächsten Schub

Aktualisiert am 18.09.2026 – 11:33 UhrLesedauer: 4 Min.

AfD-Chefin Alice Weidel sieht die schwarz-rote Koalition mit Kanzler Friedrich Merz am Ende. In der Generaldebatte im Bundestag in der vergangenen Woche kam es zum Schlagabtausch. (Archivbild) (Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-bilder)

Nach der einschneidenden Sachsen-Anhalt-Wahl wählen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die AfD wird mit großer Sicherheit deutlich zulegen, doch der blaue Jubel könnte auch etwas ausgebremst werden.

Die letzte Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin dürfte aus AfD-Sicht wie ein unangenehmes Störgeräusch wirken. Nach dem Wahlsieg mit fast 44 Prozent in Sachsen-Anhalt, der nach Einschätzung vieler eine politische Zäsur war, konnte sie sich zunächst zurücklehnen und darauf setzen, dass sich der Lauf bei den nächsten Landtagswahlen fortsetzt.

Die Zahlen stützen das auch: In Berlin steht die AfD in den Umfragen vor der Wahl bei 18 Prozent, nach 9,1 Prozent bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus. In Mecklenburg-Vorpommern könnte mit zuletzt 36 Prozent sogar mehr als eine Verdopplung im Vergleich zu 2021 (16,7 Prozent) möglich sein.

Wasser in den Wein durch Schwesigs Aufholjagd?

Wäre da nicht die Aufholjagd der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern, die sich im ZDF-„Politbarometer Extra“ der Forschungsgruppe kurz vor dem Wahlwochenende mit 37 Prozent an der AfD vorbei auf Platz eins geschoben hat. Es ist nur eine Umfrage und keine Prognose auf den Wahlausgang – aber falls die SPD den AfD-Plan vereitelt, nach Thüringen und Sachsen-Anhalt nun im nächsten Bundesland als Sieger vom Platz zu gehen, dürfte das die Freude über die starken Wahlergebnisse dämpfen.

Benedikt Kaiser, viel beachteter Vordenker im AfD-Umfeld, hat im Netz bereits eine Diskussion über den AfD-Ministerpräsidentenkandidaten in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, angestoßen. „Das völlige inhaltliche, strategische und wahlkämpferische Versagen hat Rückwirkung auf die gesamte AfD, das Momentum von Sachsen-Anhalt hat Holm gestoppt, wie Merz es nie könnte“, schrieb er auf der Plattform X.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte AfD-Chefin Alice Weidel nach der Sachsen-Anhalt-Wahl im Bundestag bescheinigt, „vor Kraft kaum laufen“ zu können. In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geht es für die AfD unter anderem darum, wie viel Rückenwind sie für ihre „Wir sind auf der Siegerstraße“-Erzählung bekommt.

Münzenmaier: „Überall auf dem Weg zur Volkspartei“

„Mecklenburg-Vorpommern zeigt, ob wir unsere Verankerung im ländlichen Raum weiter ausbauen, und Berlin, ob wir auch in der Großstadt zulegen“, sagte AfD-Fraktionsvize Sebastian Münzenmaier, ein in der AfD einflussreicher Netzwerker, der Deutschen Presse-Agentur. Man sei überall auf dem Weg zur Volkspartei, und Merz sei „mit seiner katastrophalen Bilanz“ der beste Wahlhelfer.

Der Weidel-Vertraute und AfD-Netzwerker Sebastian Münzenmaier erwartet eine lange Erfolgssträhne für seine Partei. (Archivfoto) (Quelle: Katharina Kausche/dpa/dpa-bilder)

Der AfD sind deshalb die Zahlen der CDU fast so wichtig wie die eigenen. Langfristiges Ziel ist es, die Union im Bund zu verdrängen, ihr so viele konservative Wähler wie möglich abspenstig zu machen und selbst zur Regierungspartei zu werden. Die CDU sei „pulverisiert“ worden, lautete Weidels scharfe Einschätzung am Tag nach der Sachsen-Anhalt-Wahl. Die CDU werde „nie mehr wieder“ eine Bundestagswahl gewinnen können.

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