Kaltehofe in Rothenburgsort
Früher Industrieanlage, heute Hamburgs geheime Natur-Oase
04.07.2026 – 08:37 UhrLesedauer: 2 Min.
Auf Kaltehofe wird eine Industriekulisse zur Naturoase. Zwischen Backstein, Wasserbecken und Schilf kann man Hamburger Stadtgeschichte erleben.
Zwischen alten Backsteingebäuden, flachen Wasserbecken und dichtem Schilf ist kaum noch zu erkennen, dass auf der Elbinsel Kaltehofe einst ein großer Teil des Hamburger Trinkwassers aufbereitet wurde. Wo früher Sandfilter das Wasser reinigten, haben sich heute Teiche, Röhrichte und wertvolle Biotope entwickelt. Spaziergänger treffen auf Wasservögel, Libellen und überraschend viel Ruhe – nur wenige Kilometer von der Hamburger Innenstadt entfernt.
Mehr als 100 Jahre lang versorgte das Wasserwerk die Hansestadt mit sauberem Trinkwasser. Nach der verheerenden Choleraepidemie von 1892 zog Hamburg Konsequenzen für die Trinkwasserversorgung. Mehr als 8.000 Menschen starben damals an der Krankheit. Bereits ein Jahr später begann auf der Elbinsel Kaltehofe der Bau eines neuen Wasserwerks, das 1894 in Betrieb ging.

Erst in den 1990er-Jahren endete der Betrieb. Heute erinnert die Wasserkunst Kaltehofe mit ihrem Museum an die Geschichte der Hamburger Wasserversorgung. Auf dem weitläufigen Außengelände können Besucher erleben, wie aus den ehemaligen Filterbecken nach und nach Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstanden sind.
Alte Industrie trifft auf Naturschutz
Ein Rundweg führt an den historischen Backsteingebäuden, Wasserflächen und Schilfzonen vorbei. Informationstafeln erläutern die Entwicklung der Trinkwasserversorgung in Hamburg, während Aussichtsplattformen den Blick über die renaturierten Becken ermöglichen. Vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn Nebel über den Wasserflächen liegt und Vogelstimmen die Stille durchbrechen, wirkt das Gelände besonders ruhig.

Wer eine Pause einlegen möchte, kann im Café Wasserkunst einkehren. Das Café befindet sich in einem der historischen Gebäude des ehemaligen Wasserwerks und verfügt über eine Terrasse mit Blick ins Grüne. Auf der Speisekarte stehen unter anderem Kaffee, Kuchen und kleine Gerichte. Der Ort hat sich längst zu einem Hotspot der Rennradfahrer entwickelt, die auf ihrem Weg entlang der Dove Elbe dort vorbeikommen und Rast einlegen. Gerade an den sonnigen Wochenenden und in den Frühabendstunden kann es dort sehr voll werden.
Zum Areal gehören außerdem Liegewiesen und Sitzbänke. Naturfreunde können zahlreiche Wasservögel beobachten, Fotografen schätzen die wechselnden Lichtverhältnisse. Kaltehofe verbindet ein Industriedenkmal mit einem Naturschutzgebiet und bietet Raum für einen Spaziergang abseits der viel besuchten Wege entlang der Elbe.
