Mit mehr als 40 Minuten Verspätung ging es auf zwei Formationsrunden hinter dem Safety Car von Bernd Mayländer. Doch dann funkte Verstappen an die Box: „Ich kann nicht beschleunigen.“ Auch Hamilton rollte nur vor sich hin. Ein paar Autos reagierten einfach nicht nach den vorgenommenen Software-Einstellungen auf den Regen. Keine Werbung für die Formel 1. Dass das Formel-1-Regenradar ausgefallen war, passt ins Bild.
Das Startprozedere wurde abgebrochen. Immerhin: Der Regen war weitgehend vorbei, die Strecke trocknete „wahnsinnig schnell“ (Antonelli) ab.
Russell gönnte sich eine Banane, andere kauerten irgendwo in einer Ecke. Dann die Ankündigung: Start um 16.33 Uhr Ortszeit, 1 Stunde und 33 Minuten später als geplant. Um diese Uhrzeit wären die Fahrer eigentlich fast schon ins Ziel gekommen. Gegen 19 Uhr Ortszeit würde auch die Sonne untergehen.
Verstappen, Antonelli und Russell entschieden sich für die für Regen geeigneten Intermediate-Reifen, Hamilton hatte die weichen Trockenreifen drauf. „Das ist noch so rutschig“, funkte er an die Box.
Antonelli erwischte einen Raketenstart und schoss an Verstappen und Hamilton von Startplatz drei nach vorn. Im Windschatten Russell. Hamilton wurde durchgereicht, hatte nach wenigen Runden mit seinen Rutschreifen über eine Minute Rückstand. Verstappen erholte sich dagegen schnell von seinem miesen Start und schnappte sich Russell.
Die Fahrer mit den Intermediates mussten bald in die Box, die Strecke trocknete immer mehr ab. Die wenigen mit Trockenreifen wie Hamilton konnten draußen bleiben. Also gab Verstappen richtig Gas, kam aber an Antonelli nicht vorbei. Dann rutschte Valtteri Bottas mit dem Cadillac ins Kiesbett – das Safety-Car musste erneut raus. Besser hätte es für alle mit den Intermediates nicht laufen können: Nun konnten sie ohne Zeitverlust die Trockenreifen aufziehen lassen.
Als Mayländer wieder reinfuhr, lieferten sich Antonelli, Verstappen und Russell einen packenden Dreikampf. Der Niederländer nutzte die noch schnelleren weichen Reifen und passierte Antonelli, der wie Russell auf der mittelharten Reifenmischung unterwegs war. Der Brite, zuletzt Sieger in Baku, attackierte Antonelli ebenfalls – und kam ebenfalls vorbei. Das Duell um die WM. Und Antonelli klärte das auf seine Weise und überholte Russell nach nicht mal der Hälfte der Renndistanz.
Als dann Alexander Albon mit dem Williams stehen blieb und eine erneute Safety-Car-Phase auslöste, holte sich Verstappen noch mal frische Reifen. Er kam hinter Antonelli raus, ehe auch dieser die Reifen wechseln ließ und damit die alte Reihenfolge wieder hergestellt war. Bis Russell stehen blieb. Wohl das Ende für den kleinen WM-Traum.