Effekt der Klimakrise

Niedrigwasser gefährdet militärische Sicherheit


30.07.2026 – 14:40 UhrLesedauer: 3 Min.

Niedrigwasser im Rhein: Für die Nato wird das zum Problem.

Niedrigwasser im Rhein: Für die Nato wird das zum Problem. (Quelle: Marc John/imago)

Die Klimakrise hat Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens – auch auf sicherheitspolitische. Für die Nato könnte das Niedrigwasser im Rhein und in der Donau dauerhaft zum Problem werden.

Der Rhein-Main-Donau-Korridor ist die einzige durchgängige Wasserstraße zwischen dem niederländischen Rotterdam und dem militärstrategisch wichtigen Schwarzmeerhafen Constanța in Rumänien. Allerdings geht sowohl dem Rhein als auch der Donau das Wasser aus. Das ist ein sicherheitspolitisches Problem, denn wie schnell Deutschland und seine Nato-Verbündeten im Krisenfall schweres Gerät an die Nato-Ostflanke verlegen können, hängt zunehmend auch davon ab, wie viel Wasser die Flüsse führen. Der Klimawandel wird so zum Faktor der Verteidigungspolitik.

Am Nadelöhr der Rheinschifffahrt, dem Pegel Kaub, wurde in diesen Julitagen an einem historischen Wassertiefstand gekratzt, für das kommende Wochenende sind vielerorts dann tatsächlich Rekordtiefwerte vorausgesagt. Frachtschiffe können nur noch mit stark reduzierter Ladung fahren.

  • Frankreich evakuiert Region: Waldbrände bedrohen Rüstungsstandorte
  • „Groteske Ineffizienz“: Ökonom rechnet bei Aufrüstung mit Bundesregierung ab

Und auch weiter südlich an der Donau herrscht starkes Niedrigwasser. Am Pegel in Hofkirchen sei am 12. Juli mit 157 Zentimetern der niedrigste Wasserstand seit Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichnet worden, schreibt „Table.Briefings“ unter Berufung auf die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG).

Moldau hat einen 30-tägigen Alarmzustand ausgerufen, weil der niedrige Wasserstand der Donau die Lieferketten der Energieversorgung beeinträchtigt. Rumänien hat mittlerweile zwei Atomreaktoren abgeschaltet, weil das Kühlwasser fehlt.

Eine Schwachstelle beeinträchtigt das gesamte System

Eine Analyse der Denkfabrik Delphi Global betont, dass für das Funktionieren von Verkehrskorridoren die Infrastruktursysteme Straße, Schiene und Wasserwege reibungslos miteinander verbunden sein müssen. Eine Schwachstelle an einem beliebigen Punkt störe die Zuverlässigkeit des gesamten Netzes.

Für den militärischen Transport der Nato auf dem Rhein-Donau-Korridor wird das Niedrigwasser aktuell zu einer solchen Schwachstelle. Insbesondere für den Transport schwerer Güter sind die beiden Flüsse laut einer Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) von entscheidender Bedeutung.

  • Pegelstände auf Rekordtief: Fluss gibt historische Wracks preis

Das Nato-Kommando Joint Support and Enabling Command (JSEC) mit Sitz an der Donau in Ulm erklärt „Table.Briefings“, dass Wasserstraßen zwar nicht der wichtigste Transportweg für militärische Verlegungen seien, allerdings die Widerstandsfähigkeit und Flexibilität des gesamten Netzwerks erhöhten. Flüsse wie der Rhein oder die Donau würden der Nato zusätzliche Transportkapazitäten und Redundanz bereitstellen.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version