„Mehr Verantwortung übernehmen“
USA bringen Deutschland für Nato-Kommando ins Gespräch
20.11.2025 – 02:46 UhrLesedauer: 2 Min.
Deutschland soll in der Nato mehr Verantwortung übernehmen, fordern die USA. Sie sehen sogar den Top-Posten als möglich.
Der US-Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker, möchte, dass Deutschland im Verteidigungsbündnis mehr Verantwortung übernimmt. Auf der Sicherheitskonferenz in Berlin sagte er laut Medienberichten, dass er Deutschland in der Lage sieht, das Kommando der Nato-Truppe in Europa zu übernehmen.
„Ich freue mich auf den Tag, an dem Deutschland auf die USA zukommt und sagt, dass es bereit ist, die Position des Oberbefehlshabers der Alliierten zu übernehmen. Ich denke, wir sind noch weit davon entfernt, aber ich freue mich auf diese Gespräche“, zitiert ihn der britische „Independent“. Laut der Zeitung sagte der deutsche Generalleutnant Wolfgang Wien, der Deutschland bei der Nato vertritt, dass er dies „etwas anders sieht“.
Der amerikanische Vorstoß kommt überraschend, denn die Rolle des auch als Saceur bezeichneten Kommandeurs ist traditionell in den Händen der USA. Das bestätigte auch Wien, räumte aber ein, man sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Saceur steht für „Supreme Allied Commander Europe“ – der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa. Die Position gehört traditionell einem hochrangigen US-General oder -Admiral. Der Saceur führt das Allied Command Operations (ACO) und ist militärisch dafür verantwortlich, alle Nato-Operationen zu planen und zu leiten. Derzeit hat das Amt General Alexus G. Grynkewich inne.
Whitaker schrieb auf der Plattform X über die Konferenz in Berlin, dass die Alliierten die Verpflichtungen des Gipfels in Den Haag im Juni erfüllen müssen. Als diese nannte er „Investitionen in Verteidigung, Förderung der industriellen Zusammenarbeit, Aufbau von Widerstandsfähigkeit, Schutz des Zusammenhalts – unser größter strategischer Vorteil“.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte zum Auftakt der Konferenz die europäischen Verbündeten aufgerufen, die Verteidigungsbereitschaft auf dem Kontinent zügig auszubauen. Er verwies auf eine zunehmende Bedrohung durch Russland. Der SPD-Politiker unterzeichnete mit seinem schwedischen Amtskollegen Pål Jonson eine Übereinkunft für eine verstärkte militärische Zusammenarbeit mit dem Nato-Land.
„Moskau führt bereits hybride Angriffe gegen uns alle mit Cyberattacken, Spionage, Sabotage und Desinformation“, sagte Pistorius. „Die Ostsee, die lange als Brücke zwischen den europäischen Ländern galt, wird immer mehr zum Gebiet der Konfrontation – auf eine ganz eigene Art und Weise. Es ist Putins Testfeld für unsere Abschreckungs- und Reaktionsfähigkeit.“
