Eine weitere Verbindung führt direkt ins Umfeld von Mathias Döpfner: Sein Sohn Moritz Döpfner arbeitet als Chief of Staff für Thiel. Der US-Medienjournalist Ben Smith verwies bei „Semafor“ auf diese Personalie als Beleg für Döpfners enge Kontakte in die Welt der politischen Rechten. Bereits im vergangenen Jahr hatte das „Handelsblatt“ berichtet, Moritz Döpfner leite Thiel Capital, die Investmentfirma des Milliardärs.

Zweifel an der liberalen Demokratie

Für Kritik sorgen nicht nur Thiels politische Verbindungen, sondern auch eigene Äußerungen. In einem Essay schrieb er 2009, er glaube nicht länger daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien.

Döpfner kennt die Kritik, bewertet Thiel aber anders. „Ich halte ihn für einen der inspirierendsten und interessantesten Denker.“ Die einen bezeichneten ihn mit Verweis auf ein einziges Zitat aus dem Jahr 2009 als Antidemokraten, andere sähen in ihm jemanden, der die Demokratie stärken oder retten wolle und gerade deshalb anders diskutiere. „Das macht uns neugierig.“

Döpfner erzählt, er habe Thiel nach dessen Unterstützung für Trump 2016 direkt gefragt, was dieser in dem Republikaner sehe. Thiel habe ihm sinngemäß erklärt, es sei völlig egal, wie gut oder schlecht Trump sei. Es brauche einen Disruptor, um eine verkrustete und nicht mehr funktionsfähige, dysfunktionale Regierung herauszufordern.

Debatten über Religion und den „Antichristen“

Zuletzt rückten auch Thiels religiöse und apokalyptische Vorstellungen stärker in den Fokus. Der Deutschlandfunk zeichnete in einem ausführlichen Porträt Thiels politische und religiöse Gedankenwelt nach. Demnach beschäftigt sich der Investor unter anderem mit dem theologischen Konzept des „Katechon“, des „Aufhalters“, der den Antichristen und das Ende der Welt zurückhält.

Wie kontrovers Thiel inzwischen auch in Europa gesehen wird, zeigte sich in diesem Jahr in Wien. Die Wiener Festwochen wollten mit ihm unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ öffentlich diskutieren. Nach wachsender Kritik und Absagen beteiligter Künstler strich das Festival die Veranstaltung. Die Absagen hätten das Programm in „untragbarem Umfang“ geschwächt, teilten die Festwochen mit.

Demonstration in Buenos Aires (Symbolbild): Die Kritik an dem US-Milliardär reicht längst über die USA und Europa hinaus. (Quelle: IMAGO/Silvana Safenreiter/imago)

Es gab allerdings auch Gegenstimmen. Zahlreiche Festivalbesucher hatten sich bei einem öffentlichen Forum für die Veranstaltung ausgesprochen. Sie sahen darin eine Gelegenheit, Thiel mit Kritik und Gegenargumenten zu konfrontieren.

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