Dekolonialisierung in Berlin

Platz in Wedding wird erst später umbenannt


19.09.2025 – 19:45 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Nettelbeckplatz an der Gerichtstraße (Archivbild): Eigentlich hätte er schon im Frühjahr umbenannt werden sollen. (Quelle: IMAGO/Schoening/imago)

Schon seit Längerem steht fest: Der Nettelbeckplatz in Wedding wird umbenannt. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten – das ist der Grund.

Nach der Umbenennung der Mohrenstraße soll auch ein Platz im Berliner Ortsteil Wedding folgen. Ursprünglich sollte die offizielle Umbenennung bereits im Frühjahr 2025 erfolgen, wurde dann aber aufgrund von zeitlichen Hürden auf den September gelegt. Nun verzögert sich die Umsetzung weiter, teilte das Bezirksamt t-online mit.

Voraussichtlich im Herbst soll der Platz an der S-Bahn-Station Wedding dann einen neuen Namen bekommen. Grund für die erneute Verzögerung ist laut Bezirksamt ein Widerspruch, der gegen die Umbenennung eingelegt wurde. Zu dem Urheber des Widerspruchs machte das Amt keine Angaben.

Ob der Widerspruch Erfolg hat, ist unklar. Die „rechtliche Zulassung wird derzeit geprüft“. Dennoch sei die Umbenennung des Platzes noch im Herbst geplant, teilte das Bezirksamt weiter mit. Ein genauer Zeitplan ist bislang nicht bekannt.

Namensgeber Joachim Nettelbeck soll im 18. und 19. Jahrhundert Obersteuermann von Versklavungsschiffen und Befürworter von der Errichtung von Kolonien gewesen sein. Bürger konnten Vorschläge für den neuen Namen einreichen.

Die Entscheidung: Künftig soll er Martha-Ndumbe-Platz heißen. Ndumbe war eine schwarze Frau im frühen 20. Jahrhundert in Berlin-Mitte, die unter Diskriminierung und Ausgrenzung litt. Im Februar 1945 starb sie im Konzentrationslager Ravensbrück.

In dem Beschluss zur Umbenennung stand, die offizielle Einweihung soll noch im Frühjahr 2025 erfolgen. Das war jedoch nicht möglich. Nach Angaben des Bezirksamtes waren den Mitgliedern des Bezirksparlaments die konkreten amtlichen Abläufe nicht bis ins Detail bekannt. Daher sei es in diesem Fall zu „recht ambitionierten Terminstellungen“ gekommen.

Vor wenigen Wochen wurde die Mohrenstraße in Berlin-Mitte in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt. Anders als dort müssen sich keine Anwohner am Nettelbeckplatz um neue Adressen kümmern, laut Bezirksamt gibt es nämlich keine Postadresse mit Nettelbeckplatz.

Doch auch im Wedding wurden bereits Straßennamen geändert. Im Afrikanischen Viertel wurden gleich mehrere Straßen umbenannt. So wurde die Lüderitzstraße 2022 in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt – nach einem namibischen Widerstandskämpfer gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

Auch der Nachtigalplatz wurde umbenannt und heißt nun Manga-Bell-Platz, zu Ehren von Emily und Rudolf Duala Manga Bell, die sich gegen die deutsche Besatzung in Kamerun auflehnten. Ebenso wurde die Petersallee, ursprünglich zu Ehren des Kolonialpolitikers Carl Peters benannt, in zwei Abschnitte geteilt. Einer davon trägt jetzt den Namen Anna-Mungunda-Allee, benannt nach einer namibischen Freiheitskämpferin.

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