Das Wort „Zäsur“ fällt am häufigsten

Zäsur – das ist das Wort, das an diesem Abend am häufigsten fiel, nicht nur in CDU-Kreisen. Wie es in Sachsen-Anhalt nun weitergeht, ist noch offen. Sicher ist dagegen, dass die Suche nach den Schuldigen auch nach Berlin führen wird. Konkret: ins Kanzleramt. Es ist davon auszugehen, dass Merz auch aus seiner eigenen Partei mitverantwortlich gemacht wird.

Bereits in den Tagen vor der Wahl hatte Julian Schache, ein CDU-Politiker aus Magdeburg, vor massiven Auswirkungen des Ergebnisses auch auf die Bundespolitik gewarnt: „Angesichts der Unzufriedenheit, der Umfragewerte und der Tatsache, dass nächstes Jahr weitere Wahlen anstehen, wird der Druck für einen grundlegenden Wandel natürlich steigen“, sagte der CDU-Mann laut dem Nachrichtenportal „Politico“. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige auf den Rücktritt von Friedrich Merz drängen werden.“

Auch der sachsen-anhaltinische CDU-Spitzenkandidat Schulze hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder beschwert, dass sein Wahlkampf negativ von der Bundespolitik überlagert würde. Eine eigentlich kurz vor der Wahl geplante Sitzung des CDU-Bundespräsidiums in Magdeburg wurde daher wieder abgesagt und der Kanzler bei seinen beiden Besuchen im Wahlkampf regelrecht versteckt. In Quedlinburg und Leuna gab es keinen Kontakt zu den Wählern – nur kurze Statements für die Journalisten ohne Fragemöglichkeit.

Für die Mitverantwortung der Bundespartei an dem AfD-Sieg wird Merz wohl ziemlich alleine geradestehen müssen. Schon vor der Sommerpause sprang ihm niemand zur Seite, als sich der Unmut über seine Personalrochade in der CDU Bahn brach. Seine Autorität gilt als angeschlagen. Der Kanzler wird argumentieren, dass die Mitte dem Druck von rechts außen nun erst recht standhalten müsse. Wenn sie sich selbst zerlegen würde, hätte die AfD ein weiteres Ziel erreicht. Vielleicht setzt Merz darauf, dass der Zusammenhalt der Koalition sogar gestärkt werden könnte.

Klingbeil und Bas können erst einmal aufatmen

Im Gegensatz zu Merz können die Vorsitzenden des Koalitionspartners SPD, Lars Klingbeil und Bärbel Bas erst einmal aufatmen. Lange mussten die Sozialdemokraten fürchten, an der Fünfprozenthürde zu scheitern. Jetzt haben sie sogar leichte Gewinne eingefahren und über neun Prozent erzielt. „Das ist erst mal für uns ein wichtiges Zeichen, dass mit der SPD zu rechnen ist“, sagte Generalsekretär Tim Klüssendorf in der ARD.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf (Archivbild): Der SPD ist das Schlimmste erspart geblieben. (Quelle: Markus Lenhardt/dpa)

Loading…

Loading…

Loading…

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version