Nach Rassismusvorwürfen in der Champions League
Uefa sperrt Prestianni, aber verstößt gegen eigene Regel
24.04.2026 – 16:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Zwei Monate nach dem Aufeinandertreffen von Prestianni und Vinícius Júnior sperrt die Uefa den Benfica-Profi. Das Strafmaß passt jedoch nicht zum Regelkatalog des Verbands.
Die Uefa hat am Freitagnachmittag eine Strafe für Gianluca Prestianni verkündet. Der Benfica-Profi wird auf Beschluss der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer „wegen diskriminierenden (d. h. homophoben) Verhaltens für insgesamt sechs offizielle Spiele von UEFA-Vereinen und/oder Nationalmannschaften, für die er ansonsten spielberechtigt wäre“, gesperrt.
Drei dieser sechs Spiele sind aber auf eine zweijährige Bewährung ausgesetzt, zudem umfasst das Strafmaß die vorläufige Sperre von einer Partie, die Prestianni beim Rückspiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid am 25. Februar bereits verbüßt hat. Effektiv muss er also nur in den nächsten zwei Spielen in einem Uefa-Wettbewerb zuschauen.
Der Kontinentalverband hat bei der Fifa allerdings beantragt, die Strafe weltweit zu verlängern. Somit könnte die Sperre auch Auswirkungen auf eine WM-Teilnahme des Argentiniers haben. Im November 2025 hat er sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert, es ist bisher sein einziger Einsatz.
Das Strafmaß überrascht beim Blick in die Regularien der Uefa. Artikel 14 gibt für den Umgang mit Rassismus und anderem diskriminierendem Verhalten ein Mindestmaß von zehn Spielen Sperre vor: „Jede Einrichtung oder Person, die diesen Bestimmungen unterliegt und die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen aus irgendeinem Grund, einschließlich Hautfarbe, Rasse, Religion, ethnischer Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung, verletzt, wird mit einer Sperre von mindestens zehn Spielen oder für einen bestimmten Zeitraum oder einer anderen angemessenen Sanktion belegt.“
Hintergrund der Sperre ist ein Wortgefecht, das sich Prestianni am 17. Februar mit Vinicius Junior geliefert hatte. Dem Benfica-Profi wurde vorgeworfen, seinen Gegenspieler rassistisch beleidigt zu haben. Entsprechende Aussagen bestätigte etwa Real-Profi Kylian Mbappé.
Prestianni selbst bestritt die Vorwürfe und erhielt von seinem Verein Rückendeckung. Ob sich dies künftig ändert, bleibt abzuwarten. Trainer José Mourinho hatte Anfang März erklärt, Prestianni rauszuschmeißen, falls sich die Vorwürfe bestätigen.
