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Üble Szenen: 100-stündige Lesung abgebrochen

wochentlich.deBy wochentlich.de12 Februar 2024Keine Kommentare3 Mins Read
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Üble Szenen: 100-stündige Lesung abgebrochen
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Wüste Vorfälle in einem renommierten Berliner Museum: Schließlich zieht die betroffene Künstlerin Konsequenzen. Worum es bei dem Eklat geht.

Ganze 100 Stunden sollte die kubanische Künstlerin Tania Brugueras am Wochenende im Hamburger Bahnhof aus einer Analyse über totalitäre Strukturen der Philosophin Hannah Arendt lesen – doch daraus wurde nichts. Die Veranstaltung wurde abgebrochen, wie die Museumsdirektoren mitteilten.

Grund seien demnach propalästinensische Proteste gewesen, die die Lesung in dem Berliner Museum gestört hätten. So sei Brugueras am Samstag zweimal von einer Gruppe politischer Aktivisten gestört worden.

Zunächst seien am Nachmittag Hassreden gehalten worden. Beim zweiten Vorfall am Abend kehrten die rund 20 Personen den Angaben zufolge zurück und beleidigten einen der Vorleser und einen der Museumsdirektoren mit gewalttätigen Hasstiraden. Unter diesen Umständen sei der offene Dialog, der mit dieser Performance beabsichtigt gewesen sei, nicht mehr möglich, so die Direktoren. Am Sonntagmorgen beschloss die Künstlerin, die Performance zu beenden, um sich gegen Hassreden und jede Form von Gewalt zu wehren.

Roth: „Kein Platz für Hass und Hetze“

„Wir respektieren und stehen voll und ganz hinter der Entscheidung der Künstlerin und lehnen jede Form von Hassrede und Gewalt kategorisch ab“, so Bardaouil und Fellrath auf ihren Instagram-Kanälen. Der Schritt sei notwendig gewesen, um die Sicherheit der Teilnehmer der Performance zu schützen.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth verurteilte die Attacke. „Hass, Antisemitismus, Rassismus und solche Formen von Gewalt sind absolut inakzeptabel und haben im Raum der Kunst und auch überall sonst nichts zu suchen“, sagte die Grünen-Politikerin in einer Reaktion. „Dieser üble Antisemitismus und Rassismus richtete sich offenkundig auch noch direkt gegen eine jüdische Kulturschaffende, die kubanische Künstlerin sowie einen Leiter des Hamburger Bahnhofs.“ Roth begrüßte rechtsstaatliche Konsequenzen für die Urheber. Zuvor war nach Polizeiangaben vom Sonntag eine Anzeige eingegangen.

Parzinger: „Museen sind offene Orte der Toleranz „

Hermann Parzinger, Präsident der für die Museen zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte, es sei „unerträglich, zu welchen antisemitischen Provokationen, rassistischen Beleidigungen und persönlichen Angriffen“ es gekommen sei. „Das Ausmaß ist ungeheuerlich.“ Er sprach von einer „Demonstration puren Hasses“. Gleichzeitig betonte Parzinger: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Museen sind offene Orte der Toleranz und stellen sich gegen jede Form von Hass, Rassismus und Antisemitismus.“

Bruguera musste die Performance 2015 zu Hause unter Arrest realisieren. Mit der Aufführung in Berlin wollte sie „die Kraft von Kunst und Aktivismus zeigen“.

Die Jüdin Arendt musste 1933 selbst aus Nazi-Deutschland emigrieren. Sie schrieb ihre Analyse über Ursprünge und Entwicklung des Nationalsozialismus kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Deutschlands. Wenige Jahre später ergänzte sie das Werk mit den Besonderheiten des Stalinismus.

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