Herzinfarkt durch Nasenspray?
Experten warnen vor möglicher Überdosierung
10.06.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Abschwellende Nasensprays gelten als zuverlässige Hilfe bei einer verstopften Nase. Doch ein aktueller Fall zeigt, dass eine Überdosierung in seltenen Fällen gefährliche Folgen haben kann.
Viele Menschen greifen bei Erkältungen oder allergischem Schnupfen zu abschwellenden Nasensprays. Die Mittel sind frei erhältlich und verschaffen meist schnell Erleichterung. Doch neben dem bekannten – und unliebsamen – Gewöhnungseffekt bergen abschwellende Nasensprays mit dem Wirkstoff Oxymetazolin auch das Risiko einer Überdosierung.
Forscher vom Heart Hospital in Katar und die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) weisen darauf hin, dass eine übermäßige Anwendung offenbar schwere Herz-Kreislauf-Komplikationen auslösen kann – eine Nebenwirkung, die vielen Anwendern kaum bekannt sein dürfte. Darauf aufmerksam machte ein Fallbericht, der im Fachjournal „European Heart Journal – Case Reports“ veröffentlicht wurde. Darin beschreiben die Katarer Ärzte den Fall eines 27-jährigen Mannes, der nach einer Überdosierung eines oxymetazolinhaltigen Nasensprays einen Herzstillstand erlitt.
Was ist Oxymetazolin?
Oxymetazolin gehört zu den sogenannten Sympathomimetika. Diese Stoffe bewirken, dass sich Blutgefäße verengen. In der Nase ist genau dieser Effekt erwünscht, weil er die Schleimhäute abschwellen lässt und das Atmen erleichtert. Oxymetazolin ist in Deutschland in Form von Nasensprays und Nasentropfen in der Stärke 0,05 Prozent beziehungsweise bis 50 Mikrogramm erhältlich. Die Mittel dürfen nicht länger als sieben Tage angewendet werden, es sei denn, eine ärztliche Anordnung sieht eine längere Anwendung vor.
Mehr als zehn Anwendungen führten zu Herzstillstand
Der Mann galt laut Studie zuvor als gesund und hatte keine bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wegen einer verstopften Nase im Zusammenhang mit grippeähnlichen Beschwerden verwendete er über drei Tage ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Oxymetazolin.
Am Tag des Vorfalls soll er das Spray innerhalb von zwei Stunden mehr als zehnmal angewendet haben. Empfohlen werden je nach Bedarf zwei bis drei Sprühstöße über den Tag verteilt. Kurz darauf klagte er über starke Brustschmerzen und Atemnot. Wenig später brach er zusammen und verlor das Bewusstsein. Später stellten die Ärzte Anzeichen eines Herzstillstands und akuten Herzinfarkts fest.
Hinweise auf ursächliche Verengungen oder Verschlüsse fanden sie nicht. Auch weitere Untersuchungen schlossen andere mögliche Ursachen wie eine Herzmuskelentzündung, Narben im Herzmuskel oder genetisch bedingte Herzrhythmusstörungen aus.
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Gefäßkrampf durch Oxymetazolin möglicher Auslöser
Nach Einschätzung der Autoren spricht vieles dafür, dass die Überdosierung des Nasensprays einen sogenannten Koronarspasmus ausgelöst hat. Dabei ziehen sich die Herzkranzgefäße plötzlich stark zusammen. Das Herz erhält dann vorübergehend zu wenig Sauerstoff, obwohl die Gefäße nicht durch Ablagerungen verengt sind.
Verantwortlich könnte laut Studienautoren die Wirkung von Oxymetazolin auf bestimmte Rezeptoren in den Gefäßwänden sein, die ihm eine adrenalinähnliche Wirkung verleihen. Der Wirkstoff aktiviert Teile des vegetativen Nervensystems und bewirkt, dass sich Blutgefäße verengen. Bei einer Überdosierung kann der Wirkstoff in größerer Menge in den Blutkreislauf gelangen. Dann verengen sich nicht nur die Gefäße in der Nase, sondern auch Blutgefäße in anderen Körperregionen. Die Folge können starker Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder im Extremfall ein Herzinfarkt und Herzstillstand sein.
