Doch unter der Ägide von IOC-Chefin Coventry sieht Putin nun offenbar gute Chancen auf eine Lockerung der sportpolitischen Sanktionen. So frohlockte der Kreml-Herrscher nach dem Ende der Spiele im Frühjahr angesichts des Medaillenregens für russische Sportler und argwöhnte: „Ich hoffe, dass die neue Führung des Internationalen Olympischen Komitees und der internationalen Sportverbände dieses schwierige und, wie ich bereits sagte, beschämende Erbe ihrer Vorgänger so bald wie möglich überwinden wird.“
DTB fährt seit 2022 klare Linie
Den Seitenhieb gegen Coventrys deutschen Vorgänger im Amt des IOC-Präsidenten, Thomas Bach, konnte Putin sich nicht sparen. Und tatsächlich lockerte der Olympische Weltverband kurze Zeit später die Auflagen gegen russische Athleten. Die aus Simbabwe stammende ehemalige Olympia-Schwimmerin Coventry begründet den Kurswechsel mit politischer Neutralität. Allen Athleten solle dieselbe Bühne gewährt werden, heißt es vom IOC.
Beim Deutschen Turner-Bund (DTB) und dessen Präsidenten Alfons Hölz löste dies ein gewisses Unverständnis aus. Hölzl will die WM der Kunstturner in Frankfurt am Main „nicht als Propagandaraum für Putin oder Russland“ öffnen. Das sagte der Sportfunktionär Ende Juli am Rande der Deutschen Meisterschaften in Hannover.
Im Jahr 2022 hatte der DTB bereits die Entscheidung, alle Veranstaltungen in Russland abzusagen und russische und belarussische Sportler bei internationalen Wettbewerben nur noch unter neutraler Flagge starten zu lassen, ausdrücklich begrüßt. Der Verband forderte in Übereinstimmung mit der damaligen Position des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sogar „den sofortigen Ausschluss Russlands und Belarus aus der internationalen Sportfamilie“. Dass er nun den Spagat zwischen Weltverbandspolitik und nationaler Sonderbehandlung wagt, ist dennoch bemerkenswert. Und er stürzt den Weltverband der Turner in ein gewisses Dilemma.

Heraskewytsch kritisiert deutsche Sportfunktionäre
Zwar hatte das IOC die Umsetzung der neuen Linie der Neutralität gegenüber russischen Sportlern ausdrücklich in die Hände der jeweiligen Einzelsportarten weitergegeben. Doch hatte der Turn-Weltverband (FIG/World Gymnastics) diesem Beschluss voraus gegriffen. Das Exekutivkomitee von World Gymnastics war schon im Mai 2026 vorgeprescht und hatte den Bann gegenüber russischen Sportlern mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Dem schloss sich der Europäische Turnverband kurz darauf an. Und so durften Putins Sportler bei der EM in Varna, Bulgarien, wieder unter russischer Flagge und mit russischer Hymne starten.
