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Finanzen

Tullauer Pappen insolvent – nach fast 150 Jahren

wochentlich.deBy wochentlich.de12 September 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Kosten zu hoch

Pappenproduzent insolvent – nach fast 150 Jahren


Aktualisiert am 12.09.2026 – 11:43 UhrLesedauer: 2 Min.

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Das Werk der Tullau Pappen in Tullau (Kreis Schwäbisch Hall): Die Ursprünge der Firma reichen zurück ins 17. Jahrhundert. (Quelle: Screenshot/pappen.de)

Die energieintensive Papierindustrie in Deutschland steht unter Druck. Nun rutscht der nächste Traditionsbetrieb in die Zahlungsunfähigkeit.

Nach fast 150 Jahren am Standort Tullau in Baden-Württemberg ist das Familienunternehmen Tullau Pappen in finanzielle Schieflage geraten – und hat vor dem Amtsgericht Heilbronn Insolvenz angemeldet. Das berichtet der SWR. Hauptursache seien stark gestiegene Energiekosten. Neben dem Tullauer Hauptsitz im Landkreis Schwäbisch Hall ist auch der Standort Trauchgau im bayerischen Oberallgäu gefährdet.

An beiden Standorten arbeiten jeweils 45 Mitarbeiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun setzt auf den Erhalt der Standorte und der Arbeitsplätze. Eine Option sei der Verkauf der gesamten Firmengruppe oder von Teilen davon. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, auch wenn die Papier- und Pappenbranche unter erheblichem Wettbewerbs- und Preisdruck stehe. Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass die Papierfabrik Schleipen Paper aus Bad Dürkheim nach 289 Jahren den Betrieb einstellen muss.

„Tullau Pappen hat sehr namhafte Kunden und Abnehmer“, sagte Insolvenzverwalter Braun dem SWR. „Da gibt es auch Abhängigkeiten. Es ist ein Vorteil, wenn man etwas produziert, was andere nicht können. Da ist ein solcher Betrieb nicht einfach austauschbar, was auch ein Vorteil in der Krise sein kann. Die Kunden bleiben an der Stange.“ Hauptziel bleibe aber, die Ansprüche der Gläubiger zu erfüllen.

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Tullauer Pappen produziert aktuell weiter

Geschäftsführer Matthias Kurz hofft, dass es Tullauer Pappen noch aus eigener Kraft aus der Insolvenz schafft. „Es sind aber denkbar schlechte Rahmenbedingungen, weil die Energiekosten rasant gestiegen sind“, sagte Kurz dem SWR. Insbesondere die hohen Preise für Strom, Gas und Öl hätten die beiden energieintensiven Betriebe in Baden-Württemberg und Bayern ins Straucheln gebracht. Hinzukämen teure Zukaufverpflichtungen für CO2-Zertifikate.

Die Mitarbeitenden beider Gesellschaften seien in Betriebsversammlungen von der Geschäftsleitung und dem vorläufigen Insolvenzverwalter über die eingeleiteten Verfahren informiert worden. „Ihre Vergütungsansprüche sind über das von der Bundesagentur für Arbeit gezahlte Insolvenzgeld abgesichert. Diese Absicherung besteht bis einschließlich Oktober 2026″, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. Aktuell werde an beiden Standorten weiterproduziert.

Es ist nicht die erste Krise, die Tullauer Pappen durchstehen muss. Während der Corona-Pandemie 2020 brach der Altpapiermarkt ein, die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit. 2024 richtete ein großer Brand in einer Betriebshalle einen Schaden von rund einer halben Million Euro an. Die Anfänge des Unternehmens gehen zurück auf den Erwerb der Tullauer Mühle 1878 durch Firmengründer Christian Räuchle. Die Mühle im Ort ist bereits seit 1650 in Betrieb.

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