„An den Haaren herbeigezogen“
Traditionsfest abgesagt – Bürgermeister sauer
Aktualisiert am 18.11.2025Lesedauer: 2 Min.
Mehr als 4.000 Menschen erfreuen sich Jahr für Jahr am Märchenumzug in Bad Bibra. Nun soll er abgesagt werden– ein Lokalpolitiker will kämpfen.
Großer Ärger im 2.700-Einwohner-Ort Bad Bibra im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt): Die 22. Ausgabe des Bad Bibraer Märchenumzugs, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Märchenumzug, ist kurzerhand abgesagt worden. Jetzt regt sich massiver Widerstand im Ort.
Die übergeordnete Verbandsgemeinde An der Finne, die Veranstalterin des Umzugs, teilte die Entscheidung am Montag über die sozialen Medien mit: Wegen Sicherheitsbedenken und fehlendem Geld könne der Umzug am 13. Dezember nicht stattfinden. Konkret erläuterte die Verbandsgemeinde, dass sie die „Anforderungen zur Absicherung entlang der Umzugsstrecke nicht gewährleisten“ könne; gemäß den Anforderungen des Landes Sachsen-Anhalt seien „zertifizierte Schutzausrüstungen“ erforderlich.
Der „Naumburger Zeitung“, sagte Verbandsgemeindebürgermeisterin Monika Ludwig: „Wir bedauern die Absage.“ Konkret ging es um sogenannte Fahrzeugsperren, die etwa Terroristen davon abhalten sollen, mit einem Auto in die Menschenmenge zu fahren. „Das hätten wir an 35 Stellen entlang des Umzugs machen müssen, was nicht zu stemmen ist“, so Ludwig.
In Bad Bibra ist der Unmut über diese Entscheidung groß. Bürgermeister Frederik Sandner sagte t-online am Dienstag, einen Tag nach der Entscheidung, kämpferisch: „Wir lassen den Märchenumzug nicht ausfallen.“ Er wolle im Laufe des Tages viele Gespräche führen, um ein Konzept auf die Beine zu stellen. „Wir können uns vorstellen, den Märchenumzug als Stadt auszurichten.“
Sandner kritisierte die Chefin der Verbandsgemeinde heftig: Die genannten Probleme bei den Sicherheitsvorkehrungen seien „an den Haaren herbeigezogen“, sagte er. Aus seiner Sicht ist vielmehr „mangelndes Engagement der Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin“ der Grund für das Aus. „Dass es schwierig sein soll, entsprechende Absperrungen zu bekommen, ist geschwindelt“, so Sandner.
Ludwig wies den Vorwurf in der „Naumburger Zeitung“ zurück: Man habe mit „allen relevanten Personen gesprochen“ und sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte sie.
Laut Bürgermeister Sandner ist der Märchenumzug für die Gemeinde Bad Bibra wichtig, „um unsere Region bekanntzumachen“. Rund 400 Darsteller waren in den vergangenen Jahren meist dabei. Die Teilnehmer „erwecken ein Märchenbild zum Leben“, bauen Wagen und basteln Kostüme. 4.000 Zuschauer verfolgten das Geschehen zuletzt, inklusive Feuerwerk und anschließendem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, wie Sandner schilderte.
„Solche glänzenden Kinderaugen gibt es sonst nirgendwo anders“, sagte der Bürgermeister. Im Laufe des Dienstags will er eine Entscheidung getroffen haben, ob der Märchenumzug in Bad Bibra in diesem Jahr doch noch zu retten ist.
