Energiekosten und Ernteausfälle
Lebensmittelspezialist muss Insolvenz anmelden
Aktualisiert am 31.10.2026 – 11:04 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit fast 80 Jahren trocknet ein Familienbetrieb aus Oberbayern Kräuter, Obst und Gemüse. Nun hängt seine Zukunft an einem Investor.
Die Völpel GmbH aus Königsmoos im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen hat Insolvenz angemeldet. Das geht aus einer Bekanntmachung des Insolvenzgerichts Ingolstadt vom 30. September hervor, wie die „Neuburger Rundschau“ berichtet. Einen Tag später stellte auch die Tochterfirma ZiFood Trockenprodukte aus dem sächsischen Zittau einen Insolvenzantrag. Von einem möglichen Aus wären rund 60 Beschäftigte betroffen.
Völpel trocknet, veredelt und mischt Kräuter, Gewürze, Obst, Gemüse und Tee für die Lebensmittelindustrie. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen zu 90 Prozent nach Bio-Standards. In Königsmoos gehört es zu den größten Arbeitgebern. Geschäftsführer German Völpel führt den Betrieb in dritter Generation.
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Lebensmittelspezialist insolvent: Energiekosten belasten Produktion
Für die Schieflage nennt German Völpel mehrere Gründe, an erster Stelle die gestiegenen Energiekosten seit dem Ukraine-Krieg und dem Iran-Krieg. Die Trocknung verbrauche viel Energie. Der Ausbau eigener Solaranlagen werde nach seinen Worten durch Bürokratie ausgebremst: „Leider laufen etwa Genehmigungsverfahren mit den Netzbetreibern für schon geplante PV-Anlagen teils 30 Monate, ohne einen Abschluss gefunden zu haben“, sagte er der „Neuburger Rundschau“.
Hinzu kämen der Druck durch internationale Konkurrenz und eine seit 2022 anhaltende Kaufzurückhaltung bei teureren Bio-Produkten. Zuletzt fielen zudem Ernten wegen des Wetters aus. „Vor den besonders teuren Wintermonaten konnten wir als Familienunternehmen die Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleisten“, erklärte Völpel.
Mehrere Investoren für insolventen Traditionsbetrieb im Gespräch
Der vorläufige Insolvenzverwalter Alexander Zarzitzky von der Münchner Kanzlei Anchor hat den Betrieb an beiden Standorten nach eigenen Angaben stabilisiert. Kunden und Lieferanten hätten das Unternehmen unterstützt, die Lieferfähigkeit sei gesichert. „Die Basis des Unternehmens ist gesund“, zitiert ihn die „Lebensmittel Zeitung“.
Bei der Suche nach einem Investor hilft das Beratungsunternehmen HCM. Ziel ist es, noch in diesem Jahr Planungssicherheit für die Beschäftigten zu schaffen. Laut German Völpel laufen bereits intensive Verhandlungen mit mehreren Interessenten. Er schränkte jedoch ein: „Zu 100 Prozent zusichern kann man es nicht.“
Gründung im Auftrag der US-Besatzungsmacht
Die Firmengeschichte begann 1948. Damals beauftragte die amerikanische Besatzungsmacht Firmengründer Anton Völpel, den Großvater des heutigen Chefs, Heilkräuter zu sammeln und zu trocknen. Daraus entstanden Grundstoffe für pflanzliche Arzneimittel.
1970 zog das Unternehmen von Freising ins Donaumoos. Dort baute es 1979 die erste mit Erdgas betriebene Gemüsetrocknungsanlage Bayerns. 2021 übernahm Völpel den Zittauer Hersteller ZiFood. Bürgermeister Marco Meir (Freie Wähler) betonte die Bedeutung für die Gemeinde: „Diese Firma gehört zum Ortsbild in Königsmoos.“
