„Falle aus allen Wolken“
Deutscher Maschinenbauer meldet Insolvenz an
Aktualisiert am 20.10.2026 – 15:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Der schwäbische Maschinenbauer Vollmer hat Insolvenz angemeldet. Rund 450 Beschäftigte wurden über den Schritt informiert, der Betrieb soll jedoch weiterlaufen.
Der traditionsreiche Maschinenbauer Vollmer aus Biberach in Baden-Württemberg hat nach 117 Jahren Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen stellte beim Amtsgericht Ravensburg einen entsprechenden Antrag. Rund 450 Beschäftigte am Stammsitz wurden am Dienstag bei einer Betriebsversammlung darüber informiert, wie die „Schwäbische Zeitung“ berichtet.
Das Unternehmen soll in Eigenverwaltung saniert werden. Die Geschäftsführung bleibt damit im Amt und wird von dem Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle begleitet. „Wir werden alles daransetzen, den Betrieb fortzuführen“, sagte Leichtle der Zeitung. Die kommenden sechs Monate seien bereits durchfinanziert.
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Maschinenbauer insolvent: Russlandgeschäft weggebrochen
Vollmer wurde 1909 gegründet und stellt Maschinen zum Schleifen, Erodieren und zur Laserbearbeitung von Werkzeugen her. Der international tätige Spezialist beschäftigt weltweit rund 1.200 Menschen. Vom Insolvenzantrag sind zunächst die Beschäftigten in Deutschland betroffen.
Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen. Besonders schwer traf Vollmer der Wegfall des Russlandgeschäfts infolge des Ukraine-Kriegs. Zuvor hatte der Markt nach Unternehmensangaben rund zehn Prozent des Umsatzes ausgemacht. Hinzu kamen gestiegene Kosten, Lieferprobleme und eine schwache Nachfrage.
Bereits 2023 stoppte Vollmer den geplanten Neubau eines Werks in Biberach. Die Kosten des ursprünglich auf 100 Millionen Euro veranschlagten Projekts waren zwischenzeitlich auf rund 150 Millionen Euro gestiegen. Im November 2025 kündigte die Geschäftsführung zudem an, etwa 15 Prozent der Arbeitsplätze am Stammsitz abzubauen.
IG Metall von Insolvenz überrascht
Die Insolvenz kommt selbst für die IG Metall überraschend. „Ich falle gerade aus allen Wolken“, sagte Gewerkschaftssekretär Eustachio Di Pelo der „Schwäbischen Zeitung“. Dass die Schwierigkeiten des Unternehmens derart gravierend seien, habe er nicht erwartet.
Nun soll ein Sanierungsplan ausgearbeitet werden. Ein entsprechendes Gutachten liegt nach Angaben des Insolvenzexperten Leichtle bereits vor. Ob und in welchem Umfang weitere Arbeitsplätze wegfallen könnten, ist noch offen.
