Drastischer Übertourismus
Alpen-Irrsinn – Touristen stehen zum Wandern an
Aktualisiert am 30.07.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 2 Min.
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Touristen verursachen drastische Szenen an den Drei Zinnen. Tausende fluten die Region täglich. Jetzt fordern Anwohner radikale Maßnahmen.
Beim Wandern geht es um Bewegung, Naturerlebnis, manchmal auch Grenzerfahrung. Eine solche machen derzeit auch die Anwohner der Gemeinde Auronzo di Cadore an der Grenze zwischen Venetien und Südtirol. Hunderte Meter lange Schlangen bildeten sich etwa im Ort Misurina: Touristen, die auf einen Shuttlebus zur Auronzo Hütte warten.
Die Hütte gilt als beliebter Ausgangspunkt für eine Wanderung um die Drei Zinnen. Die imposante Bergformation mit ihren drei, zackenförmig aufragenden Bergspitzen (Italienisch Tri Ceme) sind das Wahrzeichen der Sextener Dolomiten. Der gleichnamige Naturpark zählt sogar zum Unesco-Weltkulturerbe. Doch der Besucheransturm, den die Einwohner des Gebirges in den Sommermonaten erleben, nimmt inzwischen groteske Züge an.
Wie unter anderem das italienische Portal „dolomiti.it“ berichtet, pilgern derzeit bis zu 14.000 Besucher pro Tag zu den Drei Zinnen. Die Gäste kommen meist nur für 24 Stunden, denn länger sind die Onlinetickets, die erworben werden müssen, um mit dem Auto zur Hütte zu fahren, nicht gültig. Das Kontingent wurde dieses Jahr für die Hauptsaison von Mai bis Oktober auf 800 Tickets festgelegt. Wer also ein Ticket für die Fahrt zum Rundwanderweg ergattern möchte, muss schnell sein.
Das führt dazu, dass die meisten Touristen einen der Shuttlebusse nehmen wollen, die vom ebenfalls malerischen Antornosee zur Auronzu-Hütte fahren. Die Kapazitäten reichen jedoch bei Weitem nicht, um all die Besucher auf einmal ins Hochgebirge zu befördern. Also bleibt ihnen nichts anderes, als Schlange zu stehen. Es ist ein bizarrer Anblick, der sich den Anwohnern bietet.
Bürgermeister: „Muss sich was ändern“
Die Bergbewohner sind ohnehin genervt vom Massentourismus, der sich in ihrer Region seit Jahren breitgemacht hat. Viele der Besucher kämen nicht zum Wandern, sondern lediglich, um ein paar Fotos für ihre Social-Media-Kanäle zu schießen. Tatsächlich sind die Drei Zinnen ein beliebtes Motiv auf sozialen Plattformen wie Instagram.
Laut einer Studie der Universität Venedig verträgt die Region nur 2.000 bis 3.000 Touristen pro Tag. Alles, was darüber liegt, sei nicht mehr nachhaltig und schade der Natur und den Menschen. Deshalb fordert Martin Rienzer, Bürgermeister der Nachbargemeinde Toblach, eine Begrenzung nicht nur für Autos, sondern auch für Menschen.
