Im Frühling lauert in Bäumen eine fast unsichtbare Gefahr. Die winzigen Brennhaare einer Raupe können Haut, Augen und Atemwege ernsthaft schädigen.

Frühling … ein leiser, wohliger Seufzer – überall optisch und romantisch untermalt durch ausgelassen herumflatternde Schmetterlinge: der Zitronenfalter, der Kleine Fuchs oder das sattsam bekannte Tagpfauenauge. Mittlerweile sind aber auch weit weniger prominente Flugobjekte unterwegs, und deren Auftauchen lässt sich alles andere als romantisch an.

Ein solches Flugobjekt kommt ursprünglich aus Süd- und Mitteleuropa und hat eine Vorliebe für laue Winter sowie trockene und milde Frühjahrswochen: der Eichenprozessionsspinner. Im Zuge der globalen Erwärmung fühlt er sich jetzt auch in unseren Breiten wohl, besonders in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Und dort mag er Kiefernwälder oder Hainbuchen. Besonders gern bevölkert er einzeln stehende Bäume, etwa am wärmeverwöhnten Südrand des Waldes, insbesondere an Eichen. Von dort aus ausschwärmend, könnte er mehr und mehr zum dermatologischen Problem werden, Lunge und Augen leiden mit.

Als passionierter Nachtfalter hat es der Eichenprozessionsspinner nicht so mit den leuchtenden Farben – sowohl im Raupenstadium als auch in der Flugphase dominiert eher ein dezenter Military-Look in Asch- bis Braungrau. Die Männchen erreichen eine Flügelspannweite von 25 bis 32 Millimetern, die Weibchen bringen es sogar auf 30 bis 36 Millimeter. Ihre Hauptverkehrszeiten liegen von April bis September, mit einem Höhepunkt im August. Für den Menschen interessant – und mitunter nicht unproblematisch – ist aber vor allem das Raupenstadium ab April, wenn die Raupen auf Wanderschaft gehen und in großer Zahl auftreten können.

Die Tiere, die nach dem Durchlaufen aller Wachstumsphasen eine Länge von fünf Zentimetern erreichen, tragen, besonders im Mai und Juni, sehr feine, kleine Brennhaare am Körper, jede Raupe schleppt davon mehrere tausend mit sich herum.

Diese Brennhaare sind hohl und leicht zerbrechlich. Einmal abgeworfen, halten sie sich mitunter über Jahre und reichern sich so immer weiter in ihrer Umgebung an. Geringe Luftbewegungen reichen aus, um sie in der Umgebung zu verteilen.

Damit muss sich für uns nicht einmal ein direkter Kontakt mit den Raupen ergeben: Die 0,1-0,3 mm kurzen Nesselhaare sind mit winzigen Widerhaken ausgestattet, die sich fest in unsere Haut einklinken. Hektisches Jucken oder Kratzen drücken sie übrigens noch tiefer in unsere Haut. Gefährlich sind deshalb auch die abgestreiften Larvenhäute der Raupen in alten Gespinstnestern. Diese finden wir beim Waldspaziergang malerisch an Bäumen haftend oder auf dem Waldboden, im Unterholz oder im Bodenbewuchs, in Gräsern und Sträuchern.

Dermatologisch interessant ist, dass die Brennhaare nicht nur mechanisch spitz sind und unsere Haut leicht und zunächst unbemerkt durchbohren, sondern dass sie unserem Körper dann auch noch eine ausgesprochen giftige Botschaft überbringen: Es ist das Nesselgift Thaumetopoein. Ein Eiweißgift, das reizend und giftig wirken und das Immunsystem aktivieren kann. Und genau das kann bei uns Menschen eine Raupendermatitis auslösen.

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