Risiko für ernste Erkrankungen

Bei Asthma oder COPD ist hoher Spray-Gebrauch ein Warnsignal


27.08.2026 – 14:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei plötzlicher Atemnot kann ein Inhalationsspray helfen, indem es verengte Atemwege schnell erweitert. (Quelle: ljubaphoto/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Wer an Asthma oder COPD erkrankt ist, bekommt meist Medikamente für den Notfall verschrieben. Kommen die Sprays zu oft zum Einsatz, kann das auf ein Problem hinweisen.

Bei plötzlicher Luftnot können sogenannte Bedarfssprays rasch Linderung verschaffen: Sie sorgen dafür, dass sich die Muskulatur in den Bronchien entspannt und sich die verengten Atemwege weiten. Das Atmen fällt dann wieder leichter.

Ein übermäßiger Gebrauch dieser Medikamente könnte allerdings mit Gefahren verbunden sein. Das zeigt eine neue Studie aus Belgien, die im Fachjournal „ERJ Open Research“ erschienen ist.

Daten von fast 284.000 Patienten ausgewertet

Die Studie basiert auf Gesundheits-, Apotheken- und Krankenhausdaten von 226.314 Erwachsenen mit Asthma und 57.446 Patienten mit COPD aus Belgien. Zunächst prüften die Forscher, wie viele kurz wirksame bronchienerweiternde Inhalatoren die Patienten innerhalb eines Jahres in der Apotheke erhalten hatten: keinen, ein bis zwei oder mindestens drei.

Anschließend werteten sie über durchschnittlich drei Jahre aus, ob die Patienten wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche im Krankenhaus behandelt wurden oder starben.

Das Ergebnis: Je mehr bestimmte Bedarfssprays die Patienten innerhalb eines Jahres aus der Apotheke erhalten hatten, desto höher war in mehreren Gruppen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und desto höher lag die Sterblichkeit.

Um welche Präparate geht es genau?

Die Forscher unterschieden zwei Arten schnell wirkender Bronchienerweiterer. Dazu gehören: sogenannte SABA, also kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika, und SAMA, also kurz wirksame Anticholinergika. Beide erweitern die Bronchien, wirken aber über unterschiedliche Mechanismen.

Gut zu wissen

Zu den SABA zählt etwa Salbutamol, das sowohl bei Asthma als auch bei COPD verwendet wird. Das zu den SAMA gehörige Ipratropiumbromid spielt vor allem bei COPD eine Rolle. Bei Asthma können SAMA zusätzlich zum Einsatz kommen, etwa bei stärkeren akuten Beschwerden.

Besonders deutlich waren die Zusammenhänge bei SAMA-Präparaten sowie bei Sprays, die beide Wirkstoffe kombinierten. Das heißt konkret: In den Gruppen, die solche Sprays erhalten hatten, entwickelten im weiteren Verlauf mehr Patienten eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen als in den jeweiligen Vergleichsgruppen ohne diese Präparate. Auch die Sterblichkeit lag höher.

Bei den Kombinationssprays zeigte sich je nach Lungenerkrankung außerdem ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Beides war bei Asthmapatienten erhöht. Bei COPD erwies sich das Herzinfarktrisiko bei denjenigen erhöht, die mindestens drei Kombinationsbehälter pro Jahr verbrauchten.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei den SABA-Präparaten ab: Patienten, die innerhalb eines Jahres mindestens drei Spraybehälter erhalten hatten, hatten ein erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche und einen frühen Tod. Bei Asthmapatienten war überdies das Herzinfarktrisiko erhöht.

Verzerrungen statistisch bereinigt

Wer häufiger zum Bedarfsspray greift, ist womöglich älter, insgesamt kränker oder leidet bereits an weiteren Erkrankungen – und hätte dadurch ohnehin ein höheres Risiko für Herzprobleme oder einen frühen Tod. Das könnte die Ergebnisse verzerren. Deshalb berücksichtigten die Forscher bei ihren Berechnungen unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchhistorie und Begleiterkrankungen. Vereinfacht gesagt versuchten sie, den Einfluss dieser Faktoren statistisch zu berücksichtigen, damit sich die Gruppen besser miteinander vergleichen ließen.

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