Verändert die Sinne

Abnehmspritzen: Neue Nebenwirkung entdeckt


07.07.2026 – 16:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Abnehmspritzen (Symbolbild): Bei vier häufigen Krebsarten zeigten die Medikamente einen positiven Effekt.

Therapie bei Diabetes und Übergewicht (Symbolbild): Moderne Abnehmmittel können injiziert oder oral eingenommen werden. (Quelle: David Petrus Ibars/getty-images-bilder)

Immer mehr Patienten meldeten Geruchs- und Geschmacksstörungen infolge von Abnehmspritzen. Nun deutet auch eine große Studie auf diese neue Nebenwirkung hin.

Abnehmmittel mit Wirkstoffen wie Semaglutid oder Liraglutid haben die Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten, zu denen auch viele bekannte Abnehmspritzen gehören, senken den Blutzucker, bremsen den Appetit und helfen so vielen Menschen beim Abnehmen.

Doch die Mittel sind nicht ohne Nebenwirkungen. So meldeten Patienten in den USA in den vergangenen Jahren vermehrt, dass die Mittel Probleme beim Riechen oder Schmecken verursachen. Nun liefert auch eine große Studie Hinweise auf diesen unerwünschten Nebeneffekt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery“ veröffentlicht.

Wie genau wirken GLP-1-Rezeptoragonisten?

GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons Glucagon-like peptide 1 (GLP-1) nach. Dieses Hormon regt die Insulinfreisetzung an, senkt den Blutzucker, verlangsamt die Magenentleerung und dämpft den Appetit. Deshalb kommen die Medikamente sowohl bei Typ-2-Diabetes als auch zur Behandlung von Adipositas zum Einsatz. Zu den Wirkstoffen gehören unter anderem Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid und Exenatid. Mehr Informationen zur Wirkweise von Abnehmspritzen sowie zu Vor- und Nachteilen finden Sie hier.

Höheres Risiko für Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns

Für die Studie analysierten Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem Gesundheitsdaten der globalen Datenbank TriNetX von fast 877.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Sie verglichen Patienten, die einen GLP-1-Rezeptoragonisten erhielten, mit Patienten, die andere Diabetesmedikamente einnahmen.

Das Ergebnis: Patienten unter einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten entwickelten innerhalb von zwei Jahren häufiger Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns. Insgesamt lag das relative Risiko um 48 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe. Ob die Probanden allgemein schlechter schmecken oder riechen konnten, die Sinneseindrücke sich nur veränderten oder komplett verloren gingen, schlüsselt die Studie nicht im Detail auf.

Betrachteten die Wissenschaftler beide Sinne getrennt, fiel der Unterschied noch deutlicher aus: Das Risiko für eine Geruchsstörung war um 81 Prozent erhöht, das für eine Geschmacksstörung um 52 Prozent.

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Zahl der Betroffenen insgesamt niedrig

Die Zahlen klingen zunächst deutlich. Tatsächlich waren jedoch nur wenige Patienten betroffen. Von mehr als 438.000 Menschen, die einen GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, entwickelten 649 eine Geruchsstörung. Das entspricht rund 0,15 Prozent. In der Vergleichsgruppe waren es 316 Patienten oder 0,07 Prozent.

Auch Geschmacksstörungen traten selten auf. Sie betrafen 769 Patienten (0,18 Prozent) unter GLP-1-Rezeptoragonisten und 445 Patienten (0,10 Prozent) unter anderen Diabetesmedikamenten.

Die Autoren betonen deshalb, dass zwar ein statistischer Zusammenhang erkennbar ist, das individuelle Risiko aber insgesamt gering bleibt.

Welche Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten sind bekannt?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen vor allem Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Völlegefühl. Auch Kopfschmerzen und Nervosität kommen vor. Schwerwiegende, aber seltenere Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten sind Gallensteine, Pankreatitis und schwere allergische Reaktionen. Auch eine akute Schädigung des Sehnervs, Husten und ein erhöhtes Risiko für Sehnenrisse wurden beobachtet.

Studie zeigt Zusammenhang – keinen Beweis

Die Forscher betonen, dass ihre Untersuchung keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweist. Die Analyse basiert auf Diagnosen aus elektronischen Patientenakten und nicht auf speziellen Geruchs- oder Geschmackstests. Deshalb lässt sich nicht sicher sagen, ob die Medikamente die Beschwerden tatsächlich auslösen.

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