Stromausfall in Reutlingen

Strom in Reutlingen zurück – Rätsel um Brandstifter bleibt

Aktualisiert am 09.06.2026 – 15:31 UhrLesedauer: 3 Min.

Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. (Quelle: Marijan Murat/dpa/dpa-bilder)

Nach dem Feuer in einem Reutlinger Umspannwerk haben alle Haushalte wieder Strom. Die Versorgung von Gewerbekunden soll bis Mittwoch stehen. Die Ermittler tappen bei Tätern und Motiv im Dunkeln.

Nach dem weitreichenden Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen ist die Stromversorgung für alle Privathaushalte wiederhergestellt. Nur noch rund 50 Kunden im Gewerbegebiet seien derzeit nicht angeschlossen, teilte die FairNetz GmbH mit.

Der Netzbetreiber Netze BW rechnet damit, dass auch die verbliebenen Industrie- und Gewerbekunden bis Mittwoch wieder ans Netz gehen. „Hoffentlich ist die Vollversorgung morgen wiederhergestellt“, sagte Richard Huber, Leiter systemübergreifende Infrastruktur bei der Netze BW. Den Gesamtschaden zu beheben, wird seinen Worten nach noch Wochen oder gar Monate dauern. Das aber habe keine Auswirkungen auf die Stromkunden. Was die Arbeiten kosten werden, sei bis jetzt nicht zu beziffern, es dürfte sich aber um Millionen von Euro handeln, sagte Huber.

Ermittler tappen im Dunkeln – extremistisches Motiv?

Währen die Stromversorgung wieder weitgehend läuft, tun sich die Ermittler bei ihrer Suche nach den Tätern und dem möglichen Motiv hingegen schwer. „Wir ermitteln ergebnisoffen weiter“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart. Es gebe keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. „Wir haben kein Bekennerschreiben.“ Der am Umspannwerk gesicherte, mögliche Brandbeschleuniger und weitere Asservate würden nun analysiert.

Das Ermittlungsverfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt. Der Grund: Der Tat liege möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde. „Eine Bekennung zur Tat wurde hier bislang nicht bekannt“, sagte auch ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart.

Kritische Infrastruktur als wunder Punkt

Kritische Infrastruktur wie die Stromversorgung lässt sich nach Worten von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) nur bis zu einem gewissen Maß schützen. „Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar“, sagte Özdemir in Stuttgart. Trotzdem prüfe man, was man nach dem Brand in einem Umspannwerk mit großflächigem Stromausfall in Reutlingen besser machen könne. „Es geht darum, unsere Resilienz zu stärken, um möglichst wenig angreifbar zu sein“, sagte Özdemir. Es sei aber zu früh, zu sagen, was man aus dem Fall in Reutlingen lernen könne.

Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. (Quelle: Jason Tschepljakow/dpa/dpa-bilder)

Netze BW selbst äußerte sich nicht zu eigenen Sicherheitskonzepten – etwa Kameras auf dem Gelände. Man schärfe die Sicherheitskonzepte für alle Anlagen immer wieder nach, sagte Huber. „Wir akzeptieren nicht, dass Anlagen einfach angreifbar sind.“ Details nannte er nicht. Eine vollständige Sicherheit gebe es aber nicht. Zudem sei ab einem bestimmten Ausmaß von Sicherheitsvorkehrungen auch die Politik gefragt. „Da sehen wir die Verantwortung eher beim Staat als bei uns.“ Wenn jemand mit entsprechender Vorbereitung und entsprechender Ausrüstung eine Anlage schädigen wolle, könne sich jeder vorstellen, welcher Art die Zäune sein müssten. „Und das war bisher definitiv nicht die Aufgabe der Netzbetreiber.“

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