KI braucht Software
Warum die Job-Apokalypse wohl ausbleibt
26.07.2026 – 08:03 UhrLesedauer: 4 Min.

Viele Anleger haben Software-Aktien bereits abgeschrieben. Doch was, wenn Künstliche Intelligenz deren Geschäftsmodelle nicht zerstört, sondern wertvoller macht?
Die Tage von Software-Unternehmen wie Adobe, SAP oder Nemetschek seien gezählt, ihre Geschäftsmodelle würden überflüssig – diese Erzählung prägte zuletzt die Börsen. Die Folge: Milliarden an Börsenwert gingen verloren. Adobe büßte innerhalb eines Jahres 43 Prozent ein, SAP 48 Prozent und Nemetschek sogar 56 Prozent.
Doch zuletzt häufen sich Signale, die dieses Bild in Frage stellen. Denis Machuel, Chef des weltweit größten Personaldienstleisters Adecco, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Künstliche Intelligenz (KI) löse keine Job-Apokalypse aus und führe nicht zu einem massiven Stellenabbau. Auch Nvidia-Chef Jensen Huang hält die Annahme für unbegründet, dass sogenannte KI-Agenten klassische Software überflüssig machen.
Damit stellt sich vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die bei Software-Aktien zuletzt hohe Kursverluste verkraften mussten, folgende Frage: Stehen die vermeintlichen Verlierer des KI-Booms vor einem Comeback?
Nach den Chip-Gewinnern könnten jetzt Software-Konzerne folgen
Stefanie Dyballa, Portfoliomanagerin bei der KSW Vermögensverwaltung, sieht gute Chancen, dass nach den Chipherstellern nun Software-Unternehmen aufholen. KI mache Software nicht überflüssig, sondern steigere ihren Nutzen. „KI-Agenten benötigen Anwendungen, Daten sowie Prozesse und machen leistungsfähige Software wichtiger denn je. Davon profitieren die etablierten Anbieter“, sagt Dyballa.
Bislang bevorzugten Anleger vorwiegend Unternehmen, die die technische Infrastruktur für KI liefern – etwa Nvidia, Micron, Taiwan Semiconductor, Marvell, Seagate, Western Digital oder Dell. Diese Firmen gelten als die „Schaufelhersteller“ des KI-Booms, weil sie Chips, Speicher oder Hardware bereitstellen, auf denen KI-Anwendungen laufen.
Mit Kursgewinnen von teilweise mehr als 500 Prozent innerhalb eines Jahres gehörten sie zu den größten Gewinnern. SAP zählt dagegen seit Jahresbeginn mit einem Minus von rund 35 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Doch nach Einschätzung von Dyballa mehren sich die Anzeichen, dass sich das Blatt wenden könnte.
Warum KI ohne Software nicht funktioniert
Der Kursverfall vieler Software- und Datenanalyseunternehmen wie Adobe, Intuit, Thomson Reuters, Autodesk, Roper, Copart oder Synopsys geht vor allem auf die Sorge zurück, dass die KI künftig Aufgaben übernimmt, für die Unternehmen bisher Software-Abonnements benötigten. Weniger Abonnements würden geringere Umsätze und Gewinne bedeuten. Die Folge wäre der Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen.
