Beim Gardasee
Dieses Geheimnis gibt der See in Italien nur selten preis
Aktualisiert am 02.08.2026Lesedauer: 2 Min.

Seit mehr als 60 Jahren liegt ein historisches Zollhaus im Lago di Valvestino verborgen. Nur unter bestimmten Bedingungen gibt der Stausee das Relikt wieder preis.
Wer die Provinzstraße entlangfährt, die von Gargnano am Gardasee hinauf ins Valvestino-Tal führt, erlebt mit etwas Glück eine ungewöhnliche Begegnung mit der Vergangenheit. Aus dem Wasser eines Stausees ragen bei niedrigem Pegel alte Steinmauern hervor – die Überreste eines Zollhauses, das seit mehr als 60 Jahren unter der Wasseroberfläche verborgen liegt.
Es ist ein Relikt aus der Zeit, als hier die Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Österreichisch-Ungarischen Reich verlief. Das Zollhaus mit dem sperrigen Namen „Ex Regio Casello di dogana di Gargnano“ (auf Deutsch: Ehemalige königliche Zollstation von Gargnano) wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut – zu einer Zeit, als die schmale Talsenke von Lignago eine der wenigen Verbindungen zwischen dem Gardasee und dem Valvestino-Tal darstellte.
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Sprichwort erinnert noch immer ans Zollhaus
Wer hier durchkam, passierte eine Grenze: auf der einen Seite das Königreich Italien, auf der anderen das Österreichisch-Ungarische Reich. Das Zollhaus kontrollierte den Waren- und Personenverkehr.
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Die Lage war so abgelegen, dass Lignago auf den meisten Karten gar nicht verzeichnet war. Und doch führte kein Weg daran vorbei – zumindest nicht für Tausende von Reisenden, die die Region durchquerten. Bis heute erinnert ein altes Sprichwort im westlombardischen Dialekt daran: „Te pasaré da Lignàc“ – du wirst durch Lignago kommen. Gemeint war ursprünglich der unvermeidliche Durchgang, heute wird der Ausdruck sinnbildlich für einen unausweichlichen Umweg verwendet.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor das Zollhaus seine Funktion. Die Region wurde von Italien annektiert, das Gebäude stand fortan leer.
Versunken seit 1962
Sein endgültiges Ende erlebte das Zollhaus Anfang der 1960er-Jahre. Für den Bau des Ponte-Cola-Staudamms am Fluss Toscolano wurde das Tal geflutet. Der Stausee fasst bis zu 52 Millionen Kubikmeter Wasser. Das Zollhaus versank, zusammen mit anderen Gebäuden und Obstgärten, deren verwilderte Überreste noch heute unter der Wasseroberfläche zu erahnen sind.
