Nur eine Luftnummer?

Staubsaugerhersteller beerdigt Sportwagen-Pläne


27.08.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 4 Min.

Ambitioniert: Mit dem Nebula Next 01 Concept zeigt Dreame, was in Sachen Auto möglich sein könnte.

Ambitioniert: Mit dem Nebula Next 01 Concept zeigt Dreame, was in Sachen Auto möglich sein könnte. (Quelle: Nebula Next)

Erst versprach Dreame einen Elektro-Sportwagen. Nun beendet der Staubsaugerhersteller seine Autopläne – und hinterlässt Fragen.

Die Ankündigungen vor knapp einem Jahr klangen irrwitzig: Dreame wollte einen Elektro-Sportwagen bauen, der in nur 0,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Ein Feststoffakku mit einer Energiedichte von mehr als 450 Wattstunden pro Kilogramm sollte für mehr als 550 Kilometer Reichweite sorgen. Für die „Jet Edition“ stellte der chinesische Staubsaugerhersteller sogar einen zusätzlichen Raketenantrieb in Aussicht. Doch daraus wird offenbar nichts: Dreame wickelt sein erst vor einem Jahr gestartetes Autogeschäft ab.

Das berichtet „China Economic Net“ unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Demnach soll Dreame das wichtigste Autoprojekt „Starry Sky“ einstellen und die dazugehörigen Gesellschaften abwickeln. In der Spitze arbeiteten den Angaben zufolge fast 1.000 Menschen in der Autosparte. Übrig seien inzwischen nur noch wenige Dutzend Beschäftigte, vor allem aus den Abteilungen Finanzen, Recht und Personal. Sie sollen unter anderem offene Forderungen von Lieferanten bearbeiten und die Unternehmen abwickeln.

Dabei hatte Dreame seine Autopläne erst im August 2025 öffentlich gemacht. Im Januar 2026 zeigte das Unternehmen auf der Technikmesse CES in Las Vegas einen Supersportwagen. Am 27. April folgte in San Francisco die „Nebula Next 01 Jet Edition“, die Dreame mit zusätzlichem Raketenantrieb präsentierte.

Wie viel Auto steckte in den Showcars?

Nach den Recherchen von China Economic Net war die Entwicklung allerdings offenbar deutlich weniger weit fortgeschritten, als die Auftritte vermuten ließen. Ehemalige Mitarbeiter behaupten, dass der auf der CES gezeigte Sportwagen kein Chassis besessen habe. Bewegt worden sei das Modell per Fernsteuerung.

Nur Show? Laut ehemaligen Mitarbeitern steckte unter der sportlichen Hülle noch nicht viel Substanz. (Quelle: IMAGO/CFOTO/imago)

Auch beim später gezeigten „Rocket Car“ soll es sich nicht um einen von Grund auf bei Dreame entwickelten Prototyp gehandelt haben. China Economic Net berichtet unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter, Dreame habe das Modell für mehrere Millionen Yuan bei einem Modellbauunternehmen in Shanghai gekauft. Anschließend seien unter anderem Chassis, Antrieb und Raketendüsen ergänzt worden, sodass sich das Fahrzeug fahren ließ.

Wie weit war die Entwicklung wirklich?

Ob und wie weit die von Dreame angekündigte Technik zu diesem Zeitpunkt tatsächlich entwickelt war, geht aus dem Bericht nicht hervor. Ma Junye, Präsident des „Starry Sky“-Projekts, hatte gegenüber dem chinesischen Nachrichtenportal Jiemian erklärt, Dreame konzentriere seine finanziellen Mittel auf Forschung und Entwicklung und arbeite dafür mit etablierten Autoherstellern zusammen. Bei grundlegenden Technologien wie Fahrwerk, Elektromotoren, Feststoffbatterien und Cockpit-Technik setze das Unternehmen auf eigene Entwicklung. Zudem seien ausreichend finanzielle Mittel für den Autobau vorhanden.

Zu den aktuellen Berichten liegt dagegen keine Stellungnahme von Ma Junye vor. „China Economic Net“ gibt an, ihn mehrfach angerufen zu haben. Bis zur Veröffentlichung des Berichts habe er nicht reagiert.

Erst Geld beschaffen, dann entwickeln?

Auch hinter den Kulissen soll das Autoprojekt ungewöhnlich organisiert gewesen sein. Mehrere ehemalige Mitarbeiter beschrieben gegenüber „China Economic Net“ ein Geschäftsmodell, bei dem die Beschaffung von Kapital eine zentrale Rolle gespielt habe.

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