„Lassen nur noch frustrierte Wähler zurück“.

Ex-SPD-Ministerpräsident macht gewagten Vorschlag zur AfD

23.05.2026 – 02:53 UhrLesedauer: 2 Min.

Der ehemalige Ministerpräsident Thorsten Albig auf einer Wahlveranstaltung in Kiel. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Petra Nowack/imago)

Die SPD verliere massenhaft Wähler an die AfD, warnt Ex-Ministerpräsident Albig. Krass. Er gibt der Partei einen Ratschlag.

Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hat seiner Partei eine Empfehlung gegeben: Die SPD solle sich auch auf Minderheitsregierungen einlassen, die von der AfD toleriert werden. Das sagte der 62-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Als Vorbild nennt Albig Dänemark: „Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben.“ Konkret könne er sich vorstellen, dass Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nach der nächsten Landtagswahl erklärt: „Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema.“

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Albig warnt vor den Folgen des bisherigen Kurses. Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen oder BSW belasteten die Leistungsfähigkeit der Demokratie „und lassen nur noch frustrierte Wähler zurück“. Alte Genossen träten „eins zu eins“ in die AfD ein – „und das sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind, sondern weil sie bei uns etwas vermissen“.

Eine Zusammenarbeit bedeute nicht, ideologisches Gedankengut der Rechtspopulisten zu teilen, betonte Albig. Es gehe vielmehr darum, verloren gegangenen Wählern zu signalisieren: „Wir haben verstanden – kommt wieder nach Hause.“

Albig fürchtet Ende der Sozialdemokratie

Mit Blick auf die Stärke der AfD in Umfragen zog Albig eine klare Schlussfolgerung: „Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle.“ So weiterzumachen wie bisher berge die Gefahr, „dass es die Sozialdemokratie hierzulande bald nicht mehr gibt“.

Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und anschließend bis 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl zog er sich aus der Politik zurück. Es folgten leitende Funktionen bei der Deutschen Post DHL und beim Bundesverband Deutscher Postdienstleister, bevor er 2023 als Lobbyist zum Tabakkonzern Philip Morris wechselte.

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