Was wir aber auch von außen sehen: Spanien spielt im Nachwuchsbereich den gleichen Fußball wie bei den Erwachsenen. Natürlich gibt es in den taktischen Feinheiten Unterschiede, aber der Grundgedanke ist identisch. Das gibt den Spaniern einen klaren Vorteil, weil immer klar ist, was gefordert ist. Der Fußball verändert sich natürlich über die Jahre, deshalb spielen sie nicht wie im Jahr 2010. Aber dennoch sind die Prinzipien klar, auf denen ihr Spielstil basiert. Diese Fußballkultur ist sensationell.
Das müssen wir auch in Deutschland als Ziel sehen. Dass wir eine klare Identität und einen eigenen Spielstil auf dem Platz entwickeln. Das heißt nicht, dass wir Spanien kopieren sollten. Es passt nicht zu uns und unseren Werten, komplett auf Technik zu setzen. Wir brauchen eine Philosophie, die physische Präsenz beinhaltet. Wir brauchen auch technisch gut ausgebildete Spieler, keine Frage.
Aber was hat uns immer ausgemacht? Dass wir fleißig waren, dass wir körperlich mit allen mithalten konnten, dass wir diesen unbändigen Siegeswillen hatten. Kennen Sie noch den Satz: „Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Das haben wir uns über viele Jahre erarbeitet. Aber bei dieser WM waren wir davon weit entfernt. Ich habe diesen Siegeswillen und diesen Glauben an sich selbst nicht gesehen, ebenso wenig wie den körperlichen Widerstand. Wir haben uns von Teams wie Paraguay herumschubsen lassen.
Ich glaube, wenn wir diese Charaktereigenschaften mit einer technisch guten Ausbildung verbinden, kann das zum Erfolg führen. Und ich glaube, mit Jürgen Klopp haben wir dafür bald den richtigen Bundestrainer, der das auch vorgeben kann. Das gilt übrigens nicht nur für die Männer, sondern auch für die Frauen, die noch Teil der Weltspitze sind. Aber damit sie es auch bleiben und nicht ebenfalls überholt werden, brauchen wir eine klare spielerische Identität. Denn auch ihr letzter großer Titel ist bereits zehn Jahre her.
Wer geht vorweg?
Für den neuen Bundestrainer, wahrscheinlich Jürgen Klopp, wird es auch eine Aufgabe sein, Charaktere zu entwickeln. Die Qualität bei den Spielern ist da, wir haben einige Jungs auf Weltklasse-Niveau. Aber wir haben zu wenige, die vorweggehen. Die, die Verantwortung übernehmen, wenn es darauf ankommt. Davon habe ich nicht viele im Team gesehen.
