Ralf Schumacher ist zu beglückwünschen, dass er einen Partner gefunden hat, mit dem er „alles teilen kann“, wie er selbst schreibt. Auch dass er für die homosexuelle Beziehung viel Zuspruch von Angehörigen und Fremden erhält, ist erfreulich. Schließlich trat der 49-Jährige jahrzehntelang heterosexuell auf. Die Unterstützer vermitteln ihm die freundliche Botschaft: „Wir freuen uns für dich und stehen hinter dir.“ Das ist toll.

Unabhängig von Schumachers speziellem Fall ist Dietmar Bartschs Aussage „Normalität bitte, nicht ‚zelebrieren'“ richtig: Homosexualität ist im Jahr 2024 normal und muss nicht mehr mit Coming-outs kundgetan, geschweige denn gefeiert werden.

Laut aktuellen Umfragen befürwortet die Mehrheit der Bürger die Ehe für alle. Gleichzeitig ist die Ansicht, das eigene Geschlecht zu begehren sei unmoralisch, in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Trotz mancher noch stattfindenden Anfeindungen sind Homosexuelle gesellschaftlich angekommen. Das zeigen nicht nur die liberaleren Einstellungen der Bevölkerung, sondern auch die konkreten Lebensweisen vor allem junger Menschen. Der Ipsos Pride Studie aus dem Jahr 2023 zufolge identifiziert sich jeder Fünfte nach 1997 Geborene hierzulande als nicht heterosexuell. Das ist auch möglich, weil ein grundsätzlich diskriminierungsarmes Gesellschaftsklima herrscht.

Fast jeder zweite Deutsche findet, Homosexuelle sollten aufhören, „so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen“. Ein Wert, der zu denken geben sollte. Nicht etwa, weil diese Hälfte der Bevölkerung latent homophob wäre, wie es die Antidiskriminierungsstelle leider interpretiert, sondern weil die queere Community für etwas kämpft, was schon erreicht ist und viele den regenbogenfarbenen Aktivismus deswegen inzwischen anstrengend finden. Was normal ist, muss nicht gefeiert werden.

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