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Politik

So will sie Jobs und Start-ups im Osten stärken

wochentlich.deBy wochentlich.de19 Juli 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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So will sie Jobs und Start-ups im Osten stärken
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Wichtige wirtschaftliche Entscheidungen fallen oft anderswo, Führungsetagen bleiben westdeutsch geprägt: Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser sagt, wie die Politik im Osten nachsteuern muss – und warum das mit der Union manchmal schwierig ist.

Fast 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Löhne im Osten noch geringer als im Westen, viele Menschen wandern ab, es gibt wenig große Konzerne, und auch das Vermögensgefälle ist weiterhin erheblich. Das beeinflusst die Lebensrealität vieler Menschen. In Berlin gibt es eine Politikerin, die für die Belange und Anliegen der Ostdeutschen eintritt: Elisabeth Kaiser.

Als Ostbeauftragte der Bundesregierung ist es ihre Aufgabe, dazu beizutragen, gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Ost und West zu schaffen. Im Interview mit t-online erklärt die SPD-Politikerin aus Gera, warum sie gebraucht wird, wo es heute noch große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt und wie sie Start-ups in der Region ansiedeln will.

t-online: Frau Kaiser, jammern die Ostdeutschen zu viel?

Elisabeth Kaiser: Nein, das sehe ich nicht so. Nach der Wiedervereinigung haben wir Ostdeutschen uns unter großen Anstrengungen in das neue Leben in unserem Land eingefunden. Das hat den Menschen viel abverlangt. Viele haben ihren Job verloren, wichtige Industrien sind abgewandert. Noch heute gibt es erhebliche wirtschaftliche Unterschiede zwischen Ost und West. Da ist es völlig in Ordnung, auch mal auf Missstände hinzuweisen.

Wir sind hier häufig in der Industrie nur die verlängerte Werkbank, die Entscheidungen zum Beispiel über Standorte werden dann woanders getroffen. Hinzu kommt, dass die Menschen im Osten heutzutage genauso viele Kompetenzen wie Menschen aus dem Westen haben. In den Führungsetagen großer Unternehmen sind sie aber kaum vertreten. Da ist es legitim, so was anzuprangern. Das hat nichts mit Jammern zu tun.

In Teilen des Ruhrgebiets, der Eifel oder des Hunsrück fürchten die Menschen auch, wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren. Was macht die Situation im Osten so besonders, dass es eine Ostbeauftragte braucht?

Ja, es gibt auch in anderen Regionen Deutschlands Strukturwandel. Aber diese krassen Brüche gab es so nur im Osten: ein neues politisches System, gesellschaftlicher Wandel, wirtschaftliche Veränderung, enorme Abwanderung – das passierte damals alles auf einmal und hat bis heute Folgen. Nach dem Mauerfall sind im Osten vor allem prekäre Jobs entstanden, das hat bis heute Auswirkungen auf die Rente und die Vermögen. Die Abwanderung ist ein großes Problem. Das sollten wir nicht relativieren, nach dem Motto: Überall gibt es Veränderung. Ich verstehe mich als die Brücke zwischen den Interessen der Ostdeutschen und der Regierung. Und in dieser Funktion werde ich gebraucht.

Die Wiedervereinigung ist bald 36 Jahre her. Dass Teile des Ostens wirtschaftlich abgehängt sind, muss sich doch auch die Politik vorwerfen lassen.

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