Geld auf dem Girokonto

So schnell verlieren Sie durch Nichtstun Hunderte Euro


Aktualisiert am 31.10.2026 – 03:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Paar prüft seine Finanzen: Selbst gute Festgeldzinsen gleichen die Inflation derzeit nur knapp aus. (Quelle: valentinrussanov/getty-images-bilder)

Zinsloses Geld verliert bei der aktuellen Inflation spürbar an Wert. Eine Beispielrechnung zeigt, wie viel – und wo das Ersparte besser aufgehoben ist.

Viele Menschen in Deutschland lassen ihr Geld dort liegen, wo es am wenigsten bringt: auf dem Girokonto. Private Haushalte hielten Ende Juni nach Daten der Bundesbank rund 2,4 Billionen Euro als Bargeld und Sichteinlagen. Zinsen gibt es dafür meist keine.

Gleichzeitig steigen die Preise wieder schneller: Im September lag die Inflationsrate nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 3,3 Prozent. So hoch war sie zuletzt im Dezember 2023. Vor allem Heizöl und Kraftstoffe wurden teurer.

10.000 Euro, drei Möglichkeiten

Wie stark sich das auswirkt, zeigt eine Modellrechnung der Zinsplattform Raisin zum Weltspartag am 30. Oktober. Sie geht von 10.000 Euro Erspartem aus und überträgt die aktuelle Inflationsrate auf ein Jahr. Eine Prognose ist das nicht, die Rechnung zeigt aber gut die Größenordnung:

Anlage Zinsen nach einem Jahr Kaufkraft nach Inflation
Girokonto, 0 % 0 Euro rund 9.680 Euro
Tagesgeld, 2,9 % 290 Euro rund 9.960 Euro
Festgeld (1 Jahr), 3,5 % 350 Euro rund 10.020 Euro

Auf dem Girokonto verlieren die 10.000 Euro also in einem Jahr gut 300 Euro an Kaufkraft. Mit Tagesgeld bleibt der Verlust klein. Nur das Festgeld bringt nach Abzug der Inflation ein Plus, und das ist mit rund 20 Euro schmal.

Wichtig: Die Zinssätze sind der Durchschnitt der fünf besten Angebote bundesweit. Lockangebote sind nicht eingerechnet. Bei vielen Haus- und Filialbanken gibt es deutlich weniger.

Warum Abwarten teuer wird

Der Verlust summiert sich mit jedem Jahr. Selbst wenn die Inflation wieder auf das Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent sinkt, verlieren 10.000 Euro ohne Zinsen in fünf Jahren gut 940 Euro an Kaufkraft. Das sind fast zehn Prozent.

In den Augen von Raisin-Vorständin Katharina Lüth sollten sich dieses Problem viel mehr Sparer bewusst machen: „Menschen fahren Umwege zur günstigsten Tankstelle, um beim Tanken zu sparen. Aber viele investieren kaum Zeit in ihre Finanzen, obwohl es sich lohnen würde.“

Was Sie vor einem Wechsel wissen sollten

Die Beispielrechnung oben enthält noch keine Steuern. Zinsen sind aber Kapitalerträge und unterliegen damit grundsätzlich der Abgeltungsteuer. Bis 1.000 Euro im Jahr bleiben sie steuerfrei, für zusammen veranlagte Ehepaare bis 2.000 Euro. Dafür brauchen Sie bei Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag.

Fehlt er, behält die Bank ab dem ersten Euro Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag ein, zusammen rund 26,4 Prozent, gegebenenfalls zusätzlich Kirchensteuer. Doch keine Sorge: Ihr Freibetrag ist nicht verloren. Sie müssen ihn dann allerdings über die Steuererklärung geltend machen.

In der EU sind Spareinlagen gesetzlich bis 100.000 Euro je Person und Bank geschützt. Bei einer Bank im Ausland zahlt im Ernstfall die Sicherung des jeweiligen Landes. Wer deutlich mehr anlegt, verteilt das Geld besser auf mehrere Banken. Bei manchen Auslandsbanken ohne deutsche Zahlstelle funktioniert allerdings kein Freistellungsauftrag. Dann müssen Sie die Zinsen in der Steuererklärung angeben.

Auch wichtig zu wissen: Tagesgeld ist jederzeit verfügbar, die Bank kann den Zins aber auch jederzeit senken. Festgeld garantiert den Zins für die gesamte Laufzeit. Dafür kommen Sie in der Regel vorher nicht an Ihr Geld.

So gehen Sie vor

  • Kassensturz: Prüfen Sie, wie viel Geld auf Ihrem Girokonto liegt, das Sie im Alltag gar nicht brauchen.
  • Notgroschen aufs Tagesgeld: Als Reserve gelten drei bis sechs Nettomonatsgehälter. Dieses Geld sollte schnell verfügbar sein und trotzdem Zinsen bringen.
  • Festgeld für planbare Beträge: Geld, das Sie für ein oder zwei Jahre sicher nicht brauchen, bringt als Festgeld meist mehr.
  • Erst Schulden abbauen: Ein Dispokredit kostet in der Regel deutlich mehr, als Tages- oder Festgeld einbringen. Ihn zu tilgen, ist oft die beste Anlage.
  • Langfristig weiterdenken: Tages- und Festgeld schützen Ihr Erspartes, ein Vermögen bauen Sie damit aber kaum auf. Für Ziele in zehn oder mehr Jahren kommen etwa breit gestreute Fonds- oder ETF-Sparpläne infrage. Ihr Wert schwankt allerdings, Verluste sind möglich.
Share.
Leave A Reply

Exit mobile version