Der Wein aus dem Urlaub kann zu Hause die Ferienstimmung aufleben lassen. Oder zu einer großen Enttäuschung werden. Worauf Sie achten sollten.

Der leichte Rosé zum Blick auf das türkisblaue Meer der Côte d’Azur, der harmonische Rote, der allabendlich so wunderbar zur Pasta im familiären italienischen Restaurant im belebten Stadtzentrum gepasst hat, oder der frische Weißwein zur mallorquinischen Paella am Hafen – Urlaubserinnerungen knüpfen sich oft an solche magischen Momente: ein gutes Gespräch in entspannter Atmosphäre, authentische Küche und ein Glas Wein vom lokalen Winzer.

Will man sich das Urlaubsflair zu Hause noch einmal wachrufen, kann eben dieser Wein aus der Urlaubsregion – vielleicht sogar direkt vom Winzer aus dem Ferienort – dabei helfen: der Geschmack des Weins als emotionaler Souvenirträger, als Botschafter des Augenblicks. Wer den Urlaubswein öffnet, erlebt oft einen kleinen Zauber: den Urlaub, konserviert in der Flasche. Woran das liegt, weiß der promovierte Sensorikexperte Ulrich Fischer. „Sensorische Reize haben immer eine emotionale Dimension. So kann der Genuss eines Urlaubsweins zu Hause der Trigger sein, um die Urlaubsemotionen wieder wachzurufen“, sagt der Leiter des Instituts für Weinbau und Önologie im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz.

Allerdings ist der Begriff „Urlaubswein“ in der Weinwelt nicht durchgehend positiv besetzt. In der Weinszene werden so auch einfache Produkte bezeichnet, die Urlaubern ohne tiefergehende Weinkenntnisse vor Ort verkauft werden. Dabei nutzen die Anbieter die lockere Urlaubsatmosphäre und die Lust daran, in den Ferien Neues zu entdecken, um ihre Waren an die Frau oder den Mann zu bringen. Die Weine entpuppen sich nach der Rückkehr dann als sehr einfache Tropfen, obwohl sie vor Ort im lässig-leichten Urlaubsmoment viel besser geschmeckt haben.

Der Grund für die Geschmacksverschiebung? Unser Geschmackssinn ist nicht nur sehr individuell, er ist auch beeinflussbar. Die eigene Stimmung, vom entspannten Urlaubsmoment bis zum abendlichen Stress nach der Arbeit, kann ihn genauso beeinflussen wie unterschiedliche Farben von Licht in der Umgebung oder Musik, die man gerade hört. Unter Stress beispielsweise schmecken selbst vertraute Weine manchmal nicht so gut wie üblich. Master Sommelière Alpana Singh weiß: „Alles schmeckt besser, wenn man im Urlaub ist.“ Auch der Wein. Deshalb sollte man bei spontanen Einkaufsmöglichkeiten im Urlaub durchaus kritisch sein.

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