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Gesundheit

Sind bestimmte Bakterien im Darm die Auslöser?

wochentlich.deBy wochentlich.de24 Januar 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Sind bestimmte Bakterien im Darm die Auslöser?
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Die Forschenden identifizierten 51 Taxa (Mikroorganismen einer bestimmten Gruppe), die in gesunden und erkrankten Zwillingen unterschiedlich oft zu finden waren. Vier der Zwillingspaare erklärten sich dazu bereit, dass ihnen endoskopisch Proben aus dem Dünndarm entnommen werden – dem Ort, an dem die krank machenden Interaktionen zwischen den Mikroorganismen und den körpereigenen Immunzellen vermutet werden.

Mit diesen Proben wurden im Anschluss spezielle Mäuse besiedelt. Symptome zeigten daraufhin hauptsächlich die Mäuse, die mit Proben der MS-Patienten in Kontakt gekommen waren. Laut den Forschenden deutet das darauf hin, dass sich im Dünndarm von MS-Betroffenen krankheitsauslösende Mikroorganismen befinden.

Die Forschenden untersuchten anschließend auch den Stuhl der erkrankten Mäuse und konnten bisher zwei Mitglieder der Familie der Lachnospiraceen (Lachnoclostridium sp. und Eisenbergiella tayi) als potenzielle krankheitsauslösende Faktoren identifizieren.

Weitere Studien sind nötig, um ein umfassenderes Bild zu erhalten und das krankheitsauslösende Potenzial der beiden Kandidaten im Detail zu überprüfen. Auch kann es noch weitere Organismen mit diesem Potenzial geben. Die Forschenden sind hoffnungsvoll: Sollte sich herausstellen, dass nur eine kleine Anzahl von Mikroorganismen die Krankheit auslöst, könnte das den Weg für neue Therapiemöglichkeiten ebnen.

Ein weiterer Gegenstand der MS-Forschung ist, herauszufinden, warum das Immunsystem die Myelinschicht angreift und welche Rolle Darmbakterien im MS-Geschehen spielen. Eine Hypothese ist, dass bestimmte entzündungsfördernde Darmbakterien, die ähnliche Oberflächenstrukturen wie die Myelinschicht der Nerven besitzen, den Krankheitsverlauf maßgeblich mitbestimmen, indem sie das Immunsystem scharf stellen. Fachleute bezeichnen diese Ähnlichkeit zwischen den Bakterien und der Myelinschicht als „molekulare Mimikry“. Die Vermutung ist, dass aufgrund dieser Ähnlichkeit das Immunsystem nicht zwischen schädlichen Bakterien und eigenem Gewebe unterscheiden kann und sich selbst bekämpft.

Um ein Beispiel aus der Forschung zu nennen: Mit ihrer Forschungsgruppe an der Universität Basel und am Universitätsklinikum Bonn (UKB) untersucht die Neurologin Prof. Dr. Anne-Katrin Pröbstel die Rolle des Mikrobioms bei MS. Die Untersuchungen unterstützen die Hypothese der „molekularen Mimikry“. Mit molekularbiologischen Methoden veränderten die Forschenden entzündungsfördernde Bakterien der Gattung Salmonella so, dass sie eine der Myelinschicht ähnliche Oberflächenstruktur bekamen. Im Mäuseversuch bewirkten die myelinähnlichen Salmonellen einen markant schnelleren Krankheitsverlauf als die unveränderten Bakterien.

Die Forschenden vermuten eine Kombination aus Entzündungsprozessen und molekularer Mimikry, welche spezifische Immunzellen aktiviert. Diese Immunzellen wandern aus dem Darm zum zentralen Nervensystem und greifen die Myelinschicht an. Die Studie zeigt, dass nicht nur die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle bei MS spielt, sondern dass auch myelinähnliche Oberflächenstrukturen auf bestimmten Bakterien dazu beitragen könnten, wie die Krankheit verläuft. Die Hoffnung der Forschenden ist, zukünftig mit Bakterien arbeiten zu können, die das Immunsystem gezielt beruhigen, und Immunzellen darauf zu trainieren, das Myelin zu tolerieren und nicht anzugreifen.

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